1. Tag: Donnerstag, der 7.Juli 2004

Oh man bin ich fertig. Wir haben's schon 2.15 Uhr und ich komme gerade von der Abschiedsfeier von NTG. In einer Dreiviertelstunde, also gegen 3 Uhr, muss ich schon wieder aufstehen. Ich beschließe mich noch mal für 45 Minuten aufs Ohr zu hauen, was gleichzeitig die letzten 45 Minuten in meinem allzu sehr geliebten Bett sein werden, da ich es für die nächsten 365 Tage gegen ein anderes in Kedma (hebräisch für „gen Orient“) eintauschen werde. Um 3.00 Uhr weckt mich meine Mutter und gegen 4 verlassen wir das Haus. Ich erreiche völlig übermüdet gegen 5.00 Uhr den Leipziger Flughafen und stellen mit Freude fest das sich Bernhard in dem selben beschissenen Zustand befindet wie ich. Gegen 6 Uhr zehn müssen wir Abschied von unseren Eltern nehmen, Tränen fließen bei den Müttern, verständlich, mussten sie doch die letzten 18 Jahren unsere Wäsche waschen und Zimmer aufräumen und werden uns deswegen umso mehr vermissen, da sie nun ihre unselbständigen Racker für ein Jahr verlieren.
In Leipzig/Halle können wir nicht gleich starten, da von Westen ein Unwetter heranzieht. Mit einstündiger Verspätung erreichen wir Frankfurt gegen
9.30 Uhr. Von hier aus fliegen wir nach Tel Aviv, was wir gegen 15.00 Uhr erschöpft und übermüdet erreichen. Bullige 30 Grad geben uns den Rest, da wir nur die kühlen 20 Grad mit den grauen Wolken und den daraus folgenden Regenschauern der deutschen Lande gewohnt sind. Mit dem Visum gibt's kein Problem und so erreichen wir 20 Minuten die Aufenthaltshalle, wo wir von Johannes, einem Freiwilligen, in Empfang genommen werden. Kaum
aus dem Flughafen draußen, gibt es schon erste Erfahrungen mit der israelischen Mentalität. Ein schrilles Trillern aus der Pfeife eines Soldaten begrüßt uns auf israelischen Boden und lässt uns sofort klar werden das wir unsere Beine in die Hand nehmen sollen und uns aus dem Staub machen sollen. Nach 5 Minuten ist die ganze Aufregung wieder verflogen und eigentlich wusste keiner so richtig (nicht mal die einheimische Bevölkerung), was eigentlich los war. Mit dem Bus fahren wir nach Haifa , was ungefähr 2 Stunden in Anspruch nimmt. Gegen 18.30 Uhr beziehen wir also das neues Quartier, was nun unser „Home, SweetHome“ werden wird. Ein Sprichwort besagt, das „der erste Eindruck zählt“, ich hoffe, dass das nicht auf unsere Wohnung zutrifft, da es hier nicht gerade sehr hygienisch zugeht. Beispiel: das Bad. Die Dusche erinnert mehr an eine Waschanlage für rostiges Metall, da sie mit rostfarbenen „Schleiern auf dem Duschboden versehen ist. An diesem Endruck ändert auch die Asbestdecke nichts, welche bei einem Rohrbruch vor wenigen Monaten mit dem Wasser der Dusche bzw. des Waschbeckens in Reaktion getreten ist und so die die Ursache für einen bestialischen Gestank im Bad war, so zumindest die Schilderung von Johannes, während wir draußen auf dem Treppengemütlich eine „Parlament“ rauchen. Aber ansonsten vermittelt diese Bleibe keine sonderlich anspruchsvollen und hygienischen Charakter, aber dafür einen sehr gemütlichen und schließlich haben wir ja auch kein 5 Sterne Hotel erwartet. Nach dem Auspacken zeigt uns Johannes noch die Hanassi Ave. mit ihren Pubs und Shops. Gegen 24 Uhr fallen wir erschöpft in unsere Betten und träumen unseren ersten Traum auf israelischen Boden.

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