12. - 26. Tag: 12.Juli - 1. August

2 Wochen sind nun seit unseren letzten Eintrag ins Tagebuch vergangen und ich glaube es wird langsam mal wieder Zeit euch wissen zu lassen, wie es den beiden Sachsen im gelobten Land so ergeht. Es ist viel passiert und ich versuche euch einen Abriss davon zu geben, was sich in dieser Zeit so alles abgespielt hat.

Erst einmal verließ uns Johannes in Richtung Deutschland, da er sein Jahr als Volontär beendet hatte. In diesem Zusammenhang möchte ich mich nochmals bei ihm recht herzlich für seine Einführung in meinen neuen Arbeitsbereich bedanken und natürlich auch für die Wasserpfeife, die er uns freundlicherweise zurückließ und welche noch oftmals der Mittelpunkt eines geselligen Fernsehabends beim Bierchen sein wird. Die Abende während der Woche verlaufen eigentlich immer gleich, d.h. erstmal ein ordentliches Sandwich aus der Sandwichbar fassen und anschließend das Spülen des Mundes mit einem erfrischenden Macabee’s oder Goldstar Biers auf der Louis Promenade bei atemberaubenden Blick über Haifa in der Nacht genießen.

Manchmal wird diese Alltagsidylle auch von einem großen Rockkonzert am Strand bereichert, was wir schon zweimal erleben durften. Hier ist Musik wenigstens noch richtige Musik und auch die Stimmung ist absolut genial, da es eben mit dem Strand als Location ein ganz eigenes Flair besitzt und man immer mit einem Publikum von über zweitausend Menschen rechnen kann. Alles in allem verfliegt nun auch allmählich das leise Gefühl des Heimwehs, da man sich mehr und mehr an die neue Umgebung gewöhnt. Ein ehemaliger Voli sagte einmal, dass„man sich erst dann eingelebt hat, wenn der Gang zur Waschmaschine alltäglich geworden ist.“ Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal in der Lage sein würde Weißwäsche von Buntwäsche und 40- von 60-Grad-wäsche unterscheiden zu können, aber ich hab's in den ersten 3 Wochen tatsächlich auf die Reihe gekriegt eine Waschmaschine so zu bedienen, dass die Wäsche sauber wieder zum Vorschein kommt und dabei nicht eingegangen ist.

An den Wochenenden gehen wir dann eigentlich immer an den Strand, wo wir „rumsuhlen“, uns bräunen lassen und immer ein Auge auf die aufreizend gekleidete israelische Frauenwelt (oh (M)ann, jetzt fängt der schon wieder damit an) werfen und ständig in Ekstase, welche durch weibliche Bewegungsabläufe hervorgerufen wird, die geschickt in einem Hauch von nichts verpackt sind, verfallen. Langsam entstehen auch Freundschaften zu einigen Israelis, wie zum Beispiel zu den Bandmitgliedern von Jonas’ seiner Band. Und unser Berni ist schon fleißig dabei der neue Drummer in Rom’s (einer der erwähnten Bandmitglieder) zu werden. So richtig viel Leute werden wir erst im September kennen lernen, wo die Schule hier wieder losgeht und viele Schüler in unserem Alter am Institut sein werden, um dort in Sachen Computerarbeit unterrichtet zu werden. Auch haben wir im September unser erstes Volontärsseminar am Rutenberg Institut, wo deutsche Volis aus ganz Israel für zwei Tage zusammentreffen werden und sich mit Sicherheit viele neue Bekanntschaften entwickeln werden, welche auch wichtig sind, da damit immer gleich eine Übernachtungsmöglichkeit in einer anderen Stadt, wie zum Beispiel Afulla oder Jerusalem, verbunden ist, wenn man mal Urlaub machen will und ein wenig durchs Land reisen wird. Letzte Woche machten wir uns auch auf den Weg nach Haifa Downtown, wo wir uns das fehlende Zubehör zur Wasserpfeife, d.h. Tabak, einen Tonhut und die benötigte Kohle anschaffen wollten. Wir erreichten Haifa Downtown mit der „Carmelit“, der einzigen Untergrundbahn im Nahen Osten, welche die einzelnen Stadtteile von Haifa miteinander verbindet und steil bergab, den Carmelberg herunter nach Downtown am Hafen verläuft. Dort angekommen, mussten wir uns erstmal an die heruntergekommenen Häuser gewöhnen, die typisch für Haifa Downtown sind. Obwohl es eigentlich nur aus dreckigen Häusern besteht, welche über Wäscheleinen quer über die Straßen miteinander verbunden sind, besitz dieses Viertel von Haifa eine ungeheuer faszinierende Stimmung, zu der man sich einfach hingezogen fühlen muss. Alles erinnert irgend wie an ein Stadtviertel im Amerika der 30iger Jahre, wo die Mafia die Fäden zieht und das öffentliche Leben nicht zu schlafen scheint und es irgend wie in jeder Seitengasse etwas aufregendes zu erleben gibt. Nach langem Suchen sind wir dann auch auf einen Wasserpfeifenstand an einer Straßenecke gestoßen, wo wir all unser benötigtes Zubehör zum Rauchgenuss bekommen können. Zuhause wird dann erstmal feierlich die Wasserpfeife eingeweiht; spätestens jetzt haben wir uns endgültig eingelebt und betrachten uns als echte Israelis. Am Freitag, also vor zwei Tagen, haben wir dann auch unseren zweiten Freiwilligen, den guten alten Jonas, verabschieden müssen, aber dies wenigstens feuchtfröhlich in einer Kneipe namens „Hottentot“, welche in einer Seitenstraße in Hadar (dem Araberviertel) versteckt liegt. Ach ja, wir werden ihn schrecklich vermissen, den Jonas, mit dem man ordentlich geistigen Dünnschiss betreiben konnte („Mann, Mann, Mann, Mann, Mann, hier it wat looos“).
Auch werde ich auch ab dieser Woche beginnen, nach meiner Arbeit im Rutenberg Institut, gelegentlich Frau Zucker, eine 94-jährige alte Frau, einen Besuch abzustatten. Jonas hat dass immer gemacht und da er nicht mehr da ist, werde ich dass einfach übernehmen. Sie muss eine ganz besondere Person sein, die viel zu erzählen hat, da ein ziemlich aufregendes Leben hinter ihr liegt. 1933 vor den Nazis nach Israel geflohen, dort als verdeckte Ermittlerin in Geheimdiensten und Untergrundorganisationen gearbeitet und sich später dem Schreiben von Büchern gewidmet. Mal sehen was sie alles zu erzählen hat.

So dass, war's erstmal wieder von meiner Seite. Bis zum nächsten mal. Euer Wollkopf Robert.

 

Noch ein kleiner Zusatz vom Bernhard:

Es gibt eigentlich gar nicht mehr hinzuzufügen, jedoch hab ich hier und da noch etwas zu berichten. Vielleicht noch etwas zu der Veranstaltung am Strand von Haifa. Dort waren echt Massen von Leuten bei dem zweiten Konzert anwesend, wo man unter anderem schon mal daran denkt, dass es doch ein "super" Ziel für Terroristen wär. Aber die Stimmung unter den Leuten macht das schnell wieder vergessen. Leider kamen wir etwas zu spät zu dem Konzert (wo man erstaunlicherweise kein Eintritt zahlen musste, der Veranstalter Orange, eine Telefongesellschaft hier, muss da echt Knete haben), sodass wir nur noch die letzten Lieder mitbekamen. Danach war dann nur noch Musik für Technofreunde angesagt, was uns zu einem ruhigeren Strandabschnitt führte. Dort setzten wir uns gemütlich in einen Strandstuhl und genossen den Rest des Abends bei Bier und Meeresrauschen und ließen die letzten Tag Revue passieren.

Noch etwas zu der Bandgeschichte: Es scheint nun doch ernst zu werden. Ich bin schon so gut wie Schlagzeuger in der Band und da muss ich schon sagen - besser kann es hier nicht laufen. Nur gut, dass wir so jemanden wie Jonas als Vorgänger hatten mit solchen tollen Kontakten. Damit auch noch einmal Danke an Jonas für die Zeit zum Einarbeiten. Ich hoffe die erste Probe steht bald an, denn ich freue mich schon riesig darauf, die Sticks wieder in die Hände zu nehmen. Ach übrigens, wenn wir schon mal beim Thema Musik sind - mein Saxophon hatte ich auch schon in der Hand. Und zwar bei einer kleine Session mit Jonas an der Gitarre. War ganz lustig.

Jetzt vielleicht noch etwas zur Arbeit im Mediencenter: Im kommenden Schuljahr wird es einen neuen Lehrer hier geben, der auch schon bei Jonas' Abschiedsfeier dabei war. Und ich erwähne ihn deswegen, weil er schon einen eigenen Kurzfilm namens "Underdog" gedreht hat und der Film war schon bei der Berlinale dabei. Also wird die Zusammenarbeit echt spannend werden, denke ich.

Und gerade fällt mir noch Jonas' letzter Arbeitstag (letzten Donnerstag) ein. Wir saßen gerade gemütlich im Control Room und hatten eigentlich nicht viel zu tun. Dann kam Amir, mein "Chef" und fragte, ob wir nicht Lust hätten zum Strand zu fahren. Wir starrten ihn ganz ungläubig an und nachdem er uns ein zweites und drittes mal fragte, sagten wir "Ja, warum nicht! Besser als hier rumzusitzen." So fuhren wir mit ein paar Bier zum Strand und bestritten gemeinsam Jonas letzten Arbeitstag. Im Anschluss gab es 14.oo Uhr ein Barbecue für die Belegschaft des Rutenberg I., wo wir noch einmal extra als neue Volontäre vorgestellt wurden und Jonas verabschiedet wurde.

Dann sag ich mal wieder Ahoi und bis zum nächsten mal ;-)

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