178. - 225. Tag: 30.12.04 bis 14.02.2005
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Botschaftsparty | Hochzeit
Endlich ist es wieder soweit, das sächsische
Ausreißerduo mit jetzigen Wohnsitz Haifa, Israel, veröffentlicht seinen ersten
Tagebucheintrag im neuen Jahr. Es hat sich wieder so einiges zugetragen im Leben
von „Börnie & Bob“, was genau, werden wir euch natürlich in den folgenden Zeilen
wissen lassen.
Silvester
(von Robert). Beginnen wollen wir mal mit
der Silvesterfeier. Wir verabredeten uns am Freitag den 31. Dezember mit
Mathias, einem anderen deutschen Volontär und gutem Freund von uns und fuhren
gemeinsam runter zum Strand, um noch mal ein letztes Bad im Jahre 2004 zu
nehmen. Bei 25 Grad Lufttemperatur und Sonnenschein pur, lernt man die Vorzüge
von einem israelischen Zivildiensteinsatz erstmal richtig zu schätzen, denn wer
kann schon von sich behaupten am Silvestertag im Mittelmeer baden zu gehen und
sich in aller Seelenruhe zu bräunen und zu relaxen.
Wir erfuhren nebenbei von einer Freundin, dass in ihrem Kibbutz Hazoreya am
Abend eine fette Silvesterparty stattfinden sollte, mit Volontären aus aller
Herren Ländern. Dies ließen wir uns natürlich nicht zweimal sagen und zack
ging's mit dem nächsten Bus in das besagte Kibbutz, gute 30 Kilometer von Haifa
entfernt. Da angekommen, bekamen wir von der Anne erstmal lecker lecker Essen
ausgegeben und schlugen uns die Mägen voll, um diese für die bevorstehenden
Trinkeskapaden und Alkoholexzesse präventiv zu präparieren. Nachdem das
erfolgreich abgeschlossen war, ging's zur nächsten Tankstelle um uns mit
diversen Alkoholika einzudecken. Schnell wurden neue Bekanntschaften
geschlossen, da ne Menge Volontäre unterschiedlichster Nationalitäten vor Ort
arbeiten, wie Schweden, Amis, Briten, Mexikaner, Südkoreaner, Kolumbianer,
Franzosen, Australier und haste noch nicht gesehen. Bis gut 23 Uhr wurde der
zuvor erworbene Flüssigstoff vernichtet und wir machten uns in Richtung
Auditorium auf, wo das Theater als Tanzsaal umgebaut wurde. Mit großer Freude
nahmen wir wahr,
dass auch hier unten reichlich Flüssignahrung angeboten wurde und dies alles
kostenlos in sich reingekippt werden konnte. Herz, was will man mehr. Doch dann
kam der DJ, der für die musikalische Untermalung des Abends zuständig war.
Natürlich hatten die Kibbutzniks mal wieder keinen guten Musikgeschmack bewiesen
und der Typ vergewaltigte den ganzen Abend unsere Ohren mit „feinstem“ ( wer es
nicht merken sollte, an dieser Stelle kommt die Ironie ins Spiel)
Technogeschranze.
Letztendlich waren wir aber alle schon so „hardde“ und gut dabei, das uns dieser
Umstand und auch das Fehlen eines alljährlich gewohnten Feuerwerks oder dem
Zünden von sprengstoffähnlichen Polenböllern wenig ausmachte. Daher verlebten
wir ein sehr schönet Silvesterfest der anderen Art, inklusive vieler netten
Menschen und jede Menge guter Gründe seine Körperkontrolle für eine nicht
unbeträchtliche Anzahl von Stunden zu vernachlässigen.
Als wir am nächsten vom Kibbutz nach Haifa heimkehren wollten, blieb uns
lediglich die Option des Trampens, da die israelischen Überlandbusse zum Shabbat
erst so spät fahren. Wir stellten uns daher auf den nächstgelegenen Freeway und
eröffneten den vorbeifahrenden Automobilen unsere Däumchen, in der Hoffnung das
sich eins dieser Vehikel erbarmen würde, arme deutsche Volos in ihren
Heimathafen zu verschiffen. Es dauerte nicht lange und der Erste hielt an und
konnte uns für die nächsten 10 Kilometer mitnehmen. Der Fahrer war ein Soldat
aus dem Kibbutz, der wieder zu seinem Stützpunkt musste und aus dessen
Kassettendeck unsere Ohren mit gediegener Oldiemugge verwöhnt wurden, was nach
all den musikalischen Strapazen der vergangenen Nacht auch als echter Balsam und
Ohrenschmaus empfunden wurde. Das zweite Auto, das uns für ein paar Kilometer
mitnahm, gehörte einer echt crazy aussehenden Hippiefrau, die gestört- krasse
indischen Meditationsmugge zur Fortbewegung in ihrer französischen Klapperkiste
zu hören pflegte und deren Amatur mit merkwürdig riechenden Pflanzen verziert
war, deren Erde auf den Fußmatten verteilt war. Das dritte und schließlich
letzte Auto, gehörte einer 17Jährigen( die dürfen hier schon mit 17 Autos
fahren) die gerade mit ihren 3 Freundinnen unterwegs war. Wir beiden Deutschen
quetschten uns also in die derre Karre rein. Ich glaub die war irgendwie ein
bisschen verstört drauf und hatte ihre pupertäre Phase auch noch nicht hinter
sich gelassen. Auf jeden Fall fuhren wir bei erneut einsetzende Technomusik,
welche uns mit mindestens 100 Dezibel um die Ohren dröhnte, und mit 200 Sachen
auf der Überholspur der Autobahn mit 6 Leuten in ihrer kleinen Seifenkiste
entlang und ich war heilfroh als die Miezen uns heil in Haifa rausließen und wir
wieder heimatlichen Boden unter den Füßen spüren durften. Das Trampen war schon
eine Erfahrung für sich und man hat mal einen kleinen Einblick in die Vielfalt
der israelischen Stereotypen bekommen.
- Voloseminar
(von Bernhard).
- Mittwoch, 12. Januar 2005:
- 11.00 Uhr - Begrüßung und Vorstellung des
Themas
12.30 Uhr - Mittagessen in der Mensa
Am Mittwoch den 12. September öffnete das Beit Rutenberg Institut seine
Pforten für das erste Volontärsseminar des neuen Jahres zum Thema
„Terror und Verarbeitung des Traumas“. Auch dieses Mal folgten wieder viele
deutsche Volontäre aus ganz Israel unserer Einladung und so konnten wir
pünktlich gegen 11.Uhr mit dem Seminar beginnen. Silvi Behm, die Leiterin
des Seminars, eröffnete mit der obligatorischen Vorstellung des Beit
Rutenberg Instituts. Die zahlreich angereisten Freiwilligen erfuhren neben
biographischen Daten des Pinchas Rutenberg, dem Gründer und Namensgeber
dieses Instituts für Jugendbildung, auch allerhand interessante Fakten zu
den heute üblichen Tätigkeitsfeldern dieser Institution, wie der
Organisation von Austauschprogrammen in der deutschen sowie englischen
Abteilung. Bevor das Mittagessen auf dem Programm stand, bedankte sich Silvi
Behm nochmals bei allen Seminarteilnehmern für deren Kommen sowie deren
Einsatz im Heiligen Land.
Danach gab es noch eine kleine Vorstellungsrunde aller anwesenden
Seminarteilnehmer, dabei war es interessant zu erfahren aus welchen
Beweggründen man gerade nach Israel kommt, um den Ersatzdienst zu leisten
oder als Freiwilliger zu arbeiten.
13.30 Uhr - Vortrag, Referent: Arie Priliger
Nach dem stärkenden Mittagessen folgte der erste Vortrag des Tages. Dafür
wurde Dr. Arie Priliger, ein Dozent der Haifaer Universität, eingeladen,
welcher den Teilnehmer einen zunächst theoretischen Einblick in die
Bedeutung und Entwicklung des Terrorismus gab. Das Thema des Vortrages
befasste sich mit dem „Dilemma der demokratischen Regierungen bei der
Bekämpfung des Terrors“.
Mehr zum Inhalt: Zunächst wurde der Begriff „Terror“ als Mittel zur
Durchsetzung sehr spezieller politischer Ziele definiert. Die Gesamtheit der
Personen, die Terrorakte verüben, wird ebenfalls als Terrorismus bezeichnet
("der internationale Terrorismus"). Terrorismus ist weltweit verbreitet und
ein sehr altes Phänomen.
Die Gewalt des Terrorismus richtet sich zwar physisch gegen bestimmte Opfer,
das eigentliche Angriffsziel des Terrorismus sind jedoch nicht in erster
Linie die Opfer selbst, sondern die nicht unmittelbar Betroffenen, die das
Gefühl entwickeln sollen, dass auch sie persönlich jederzeit Opfer des
Terrorismus werden könnten. Um dies zu vermeiden, so die Logik des
Terrorismus, würden sie ihr Verhalten in gewünschter Weise ändern.
Terroristen verfolgen je nach politischer Umgebung sehr unterschiedliche
Ziele. Um den Terrorismus einzudämmen, muss man die Wurzeln und Hintergründe
der Organisationen und Gruppierungen erkennen. Somit kann gezielt das
Fundament des Terrorismus angegriffen werden. In der Realität ist die
Umsetzung weitaus schwieriger als man sich es vorstellen kann.
Der „Terrorismus“ trat in der Geschichte das erste Mal bei der französischen
Revolution in Erscheinung. Im Zusammenhang mit der französischen Revolution
wurde der "Terror des Konvents" von 1793 bis 1794 ausgerufen, als die
Regierung alle als konterrevolutionär eingestuften Personen hinrichten oder
inhaftieren ließ. Dabei wurden unter anderem guillotiniert: Ludwig XVI.,
Marie Antoinette und Gräfin Dubarry. 1796 fand es Eingang in den deutschen
Sprachgebrauch.
Weitere Beispiele aus der Geschichte wurden genannt, vor allem aus der
Kolonialzeit der damaligen Großmächte. Der Terror wurde als Mittel gegen die
Unterdrückung eingesetzt. Nach dem 11. September 2001 wurde der Begriff
Krieg gegen den Terrorismus (war on terrorism) geprägt.
Somit zum Übergang zum modernen Terrorismus, der uns auch überall in Europa
treffen kann, so Arie Priliger. In den letzten 10 Jahren gab es sehr große
Veränderungen im internationalen Terrorismus. Es finden vermehrt Anschläge
aus religiösen Gründen statt. Der Anteil liegt bei 40%. Dabei spielt der
islamische Terror, der das Ziel verfolgt, reine islamische Staaten zu
schaffen, eine weitreichende Rolle.
Neben dem weltweiten Terrorismus, der maßgeblich durch Organisationen wie
Al-Qaida, geprägt wird, gibt es auch den nationalen Terrorismus. Diesen kann
man vor allem im Konflikt zwischen Palästina und Israel beobachten. Hier
wird deutlich, dass der Terrorismus auf die Unterstützung aus der
Bevölkerung angewiesen ist. Diese Unterstützung ist dann der Fall, wenn die
Terrorgruppen auch im Sinne der Bevölkerung handeln und für das Wohl der
Menschen sorgen.
Beispiele von Anschlagsarten sind Entführungen von Flugzeugen und z.B.
Selbstmordanschläge. In den 80er Jahren kam es häufig zu Anschlägen,
organisiert aus dem Libanon. Deshalb wurde gegen den Libanon militärisch
vorgegangen um die Terrorzellen auszuschalten.
Die Hisbollah, vom Iran aus organisiert und agierend, war die erste
Gruppierung, die auf Selbstmordanschläge setzte, um zunächst den Libanon von
ausländischen Kräften zu befreien und die Bildung einer politischen Basis
voranzutreiben. Die Selbstmordanschläge wurden somit zur bevorzugten Taktik
der Terrororganisationen. Dabei sind in islamischen Kreisen auch viele
Frauen Selbstmordattentäter. Männer sind wichtiger für den Kampf auf den
Straßen. Die „Vorteile“ der Selbstmordbomber sind freie Zielwahl, kaum
Verluste in den eigenen Reihen sowie die kaum vorhandene Möglichkeit der
Verfolgung der Attentäter durch die Regierung.
Bisher fanden die meisten Selbstmordanschläge jedoch in Sri Lanka gegen die
Regierung statt. Dort wird der Nachwuchs der tamilischen Minderheit schon
von klein auf einem speziellen Training unterzogen, so genanntes
Ideologietraining.
Es gibt Fälle von Terrorattacken, die mit Tragödien auf beiden Seiten, d.h.
einmal auf der Seite der Opfer und einmal auf der Seite der Ausführenden, zu
tun haben. So kommt es öfters vor, dass der Attentäter aus einer inneren
Verzweiflung heraus handelt, da zum Beispiel Familienmitglieder durch
Antiterrormaßnahmen umgekommen sind.
Im Kampf gegen den Terrorismus wird es immer unschuldige Opfer geben, weil
der militärische Weg bisher immer der effektivste war. Das sei kaum zu
verhindern, da Alternativen so gut wie nicht vorhanden sind, so Priliger.
Weiterhin kann man der Polizei oder anderen legalen Autoritäten mehr Rechte
und Befugnisse geben, um diesen in ihrem Handeln mehr Spielraum zu geben.
Am Ende des Vortrags von Arie Priliger wurde den Seminarteilnehmern Zeit
gegeben, um Fragen zu stellen und um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.
Dabei wurde auch die schon oft gestellte Frage „Wird es jemals Frieden
zwischen Israel und Palästina geben?“ in den Raum geworfen. Diese Frage
konnte nicht präzise beantwortet werden. Zwar hofft man auf beiden Seiten
auf Frieden, doch der Weg dahin ist steinig und nur über mühsame
Verhandlungen möglich.
15.00 Uhr - Vortrag über „Natal“, Center für seelische Unterstützung bei
Traumen der Terroropfer
Nach der Einführung in das Thema mit dem Vortrag von Arie Priliger, der ein
Bild von den Anfängen des Terrors bis zum heutigen Terrorismus zeichnete,
zielte das Thema des nächsten Vortrages vor allem auf die Opfer und auf den
Umgang mit Terroranschlägen und deren Folgen. Dafür wurde eigens ein
Vertreter der Organisation „Natal“ für das Seminar eingeladen.
Natal steht für jeden, der Hilfe braucht, wie Terroropfer und deren
Hinterbliebene, offen.
Die Organisation wurde 1998 gegründet und widmet sich der Unterstützung von
Menschen mit traumatischen Erlebnissen. Zudem kann somit auch das
Geminschaftsbewusstsein der israelischen Bevölkerung gestärkt werden.
Natal ist eine gemeinnützige Einrichtung, die ebenfalls vom Staat Israel
unterstützt wird.
Bei der Behandlung der Patienten gibt es verschiedene „Levels“: Das
individuelle Level, das Familien Level, das Gruppen Level und das soziale
Level. Diese stellen verschiedene Arten von Behandlungen dar.
Was bedeutet eigentlich traumatisiert zu sein? Ein Trauma ist hauptsächlich
eine Verletzung in Seele, Körper und Geist. Traumen werden zum Beispiel
durch Krieg, Terror, Naturkatastrophen, Missbrauch oder anderen kriminellen
Gewalttaten hervorgerufen. Das Trauma äußert sich dann in der Veränderung
des Verhaltens der Opfer. Die Menschen werden oft schwer zugänglich,
depressiv und verschlossen.
Weitere Auswirkungen sind Gedächtnisverlust, Flashbacks (Erinnerung an das
traumatisierende Ereignis in bestimmten Situationen im späteren Leben),
Überreaktion und Stressbedingte Krankheiten.
Im Vortrag wurde zudem auf die Geschichte beziehungsweiße auf die
Entwicklung der Behandlung von Traumen eingegangen. Die Forschung mit
traumatischen Zuständen kann viele Erkenntnisse aus der Tierwelt ableiten.
Somit gab es in der jüngsten Geschichte immer wieder Fortschritte.
Eins ist aber weiterhin kaum möglich, nämlich die völliger Heilung eines
Traumas. Meistens zielt die Behandlung darauf ab, den Patienten zu zeigen,
wie man am einfachsten damit leben kann und es zu akzeptieren, dass einem
etwas widerfahren ist, was man nicht mehr rückgängig machen kann. In den
seltensten Fällen klappt es, alles zu vergessen was passiert ist.
Den Patienten kann selbst schon mit einem Telefongespräch etwas geholfen
werden. Weiterhin sieht die Arbeit von Natal vor, sich auch bei Schulen und
anderen öffentlichen Einrichtungen einzusetzen und um denen zu helfen, die
Hilfe wirklich brauchen.
Auf die Frage, ob man durch das viele Konsumieren von Gewaltfilmen vor
Erlebnissen mit möglichen traumatischen Auswirkungen immunisiert werden
kann, gab es keine Antwort, da dies nicht wirklich im Sinne der
Traumabehandlung ist.
Zum Schluss erfuhren die Seminarteilnehmer noch, dass sich viele
traumatisierte Personen an religiöse Einrichtungen wenden oder gar einer
Glaubensgemeinschaft beitreten, um einen Zufluchtsort zu finden.
Der Vortrag endete hiermit.
18.00 Uhr - Abendessen in der Mensa
19.00 Uhr - Film: Terror in Israel
Nach dem ausgiebigen Abendessen stand zum Abschluss des Programms für
Mittwoch ein Film über den Terrorismus in Israel auf dem Plan.
Die DVD des Außenministeriums war in verschiedene Kurzfilme unterteilt, die
vor allem den Terror in Israel und die Auswirkungen auf die Gesellschaft
darstellten. Gezeigt wurden die israelischen Opfer und die Verantwortlichen
für die Anschläge, die palästinensischen Terroristen.
Nach dem Film entbrannte eine heftige Diskussion über die Einseitigkeit der
Darstellungen und dass es ein reiner Propagandafilm war. Immerhin war der
Film ein Anstoß zum Nachdenken.
Donnerstag, 13. Januar 2005:
- 07.00 Uhr - Frühstück in der Mensa
08.00 Uhr - Abfahrt nach Jerusalem
10.00 Uhr - Besuch der Einrichtung „Zaka“
Am Donnerstag stand der äußerst interessante als auch anstrengende
Ganztagsausflug nach Jerusalem auf dem Plan. Gegen 8 Uhr verließen wir Haifa
in Richtung Heilige Stadt. Die erste Einrichtung, die wir besuchten war die
Einsatzzentrale von „Zaka“, wo wir uns in einem sehr engen und
stimmungsvollen Kellergewölbe versammelten und durch Frau Kathrin Amrani
über die Arbeit von „Zaka“ unterrichtet wurden. Diese Institution nahm ihre
Arbeit im Jahre 1989 auf und ist seit 1995 als offizielle Organisation in
Israel anerkannt und aus dem öffentlichen Leben nicht mehr wegzudenken. Die
meisten Mitarbeiter bei „Zaka“ arbeiten als Volontäre mit speziell dafür
ausgebildeten medizinischen Kenntnissen. Ihre Aufgaben bestehen aus mehren
Bereichen. Im Ernstfall, gegebenenfalls dem eines Anschlags mit
terroristischen Hintergrund, sind diese Männer oft die Ersten am Einsatzort,
da sie durch ihre wendigen motorisierten Einheiten, dem durch den Anschlag
entstandenen Verkehrschaos, sehr gut entgehen können. Im Einsatzgebiet
bergen sie zu allererst die Opfer und leisten medizinische Versorgung bis
sich die Krankenwagen ihren Weg durch den Stau gebahnt haben. Nach der
medizinischen Erstversorgung vor Ort und dem Abtransport der Verletzten
durch die Krankenwagen der örtlichen Hospitäler beginnt der schwerste Teil
ihrer Arbeit. Im jüdischen Glauben benötigt man für die Beisetzung der Toten
all deren Körperteile, einschließlich deren Blut. Da es bei Terrorakten, wie
Bombenanschlägen auf öffentliche Verkehrsmittel dazu kommen kann, dass
einzelne Körperteile vom Opfer weggesprengt werden, müssen diese
eingesammelt werden, damit dem Toten ein gebührendes Begräbnis zu Teil
werden kann. Diese Aufgabe führen die Volontäre von „Zaka“ durch und stellen
sich damit sehr großen psychischen, wie auch physischen Belastungen aus. So
berichtete einer der Volontäre, dass er, nach einem Anschlag auf ein gut
besuchtes Jerusalemer Restaurant, mit seinen Kollegen die Leichenteile der
bis zur Unkenntlichkeit verstümmelten Leichen einsammeln musste, wobei er es
war, welcher den Kopf eines gerade mal 7 Jahre alten Mädchens einsammeln
musste, welcher durch die enorme Wucht der Explosion vom restlichen Körper
abgerissen wurde. Des Weiteren werden alle Blutlachen der Opfer mit
Schwämmen aufgesogen, da auch das Blut der Toten für das Begräbnis benötigt
wird. Alle Körperteile, auch wenn sie noch so klein sind, werden von den
Volontären von „Zaka“ eingesammelt.
Nach getaner Arbeit treffen sich die Volontäre in ihrer Einsatzzentrale zu
Gruppensitzungen, um sich gegenseitig über das Erlebte auszutauschen und
diese Erlebnisse dadurch im Kollektiv besser verarbeiten zu können. Des
Weiteren veranstaltet „Zaka“ auch so genannte „Fundays“, wo sich alle
Volontäre, einschließlich ihrer Familienangehörigen, zum Beispiel zu
Grillfesten zu treffen, um dadurch die Eindrücke der Arbeit zu verarbeiten
und sich auf die schönen Seiten des Lebens mit Freunden und Familie zu
besinnen. Neben der ärztlichen Versorgung von Terroropfern vor Ort, bietet „Zaka“
auch Seelsorgeprogramme nach den Anschlägen für die Opfer an.
Die Einsatzgebiete liegen jedoch nicht nur bei Terroranschlägen sondern auch
bei Autounfällen als auch Naturkatastrophen. So befanden sich neulich auch
Volontäre von „Zaka“ in Indonesien und Sri Lanka, um den Opfern des Tsunamis
zu helfen. Auch nach den Anschlägen von 9/11 auf das WTC befanden sich „Zaka“-volontäre
in New York.
Da „Zaka“ aus Freiwilligen besteht kann sich jeder für diesen Job bewerben,
jedoch fallen über 90% der Bewerber bereits nach der ersten Runde des
Ausschussverfahren durch, da sie den enormen physischen und psychischen
Belastungen nicht standhalten. Auffallend ist auch, dass die Mehrheit der
Volontäre sehr religiöse Juden sind, da diese den Stress und den Horror
ihrer Arbeit mit ihrem Glauben verarbeiten und entkräften können. Auf die
Frage eines deutschen Volontärs, wie sich den der Glauben mit dem
unendlichen Leid der Arbeit verhält antwortete der religiöse „Zaka“-
Mitarbeiter: „Dadurch wird mein Glauben nur verstärkt.“
Dieser Besuch hat zweifelsohne bei allen Volontären einen äußerst
emotionalen wie auch unfassbaren Eindruck hinterlassen.
12.30 Uhr - Augenzeugenberichte von Terroropfern
Wir verließen „Zaka“ und fuhren mit dem Bus in ein Restaurant, wo bereits
Angehörige der Organisation „Hands of Mercy“ auf uns warteten. Diese
Einrichtung beschäftigt sich mit der Seelsorge von Terroropfern, um ihnen
bei der Verarbeitung ihres Traumas zu helfen. Meistens haben die Opfern
neben ihrer physischen als auch psychischen Konstitution auch ihren Job
verloren und finden in dieser „Familie“ neue Freunde und eine Art Halt,
welcher ihnen helfen soll, wieder den Anschluss an das öffentliche Leben zu
erhalten. Man versucht durch offene Gespräche über die Anschläge das
Bewusstsein der Opfern für die schrecklichen Erfahrungen zu öffnen, damit
sie diese verarbeiten können und gleichfalls verstehen, mit den Erinnerungen
umzugehen und zu leben, um dadurch die entstandenen Traumen abzubauen. Vor
Ort waren auch 2 Opfer solcher Terrorattacken. Ein Mann Anfang dreißig,
Yitzak heißt er, Familienvater von 3 Kindern, riskierte sein Leben bei einem
Anschlag in Ashdod, wo er durch sein heldenhaftes Handeln viele
Menschenleben retten konnte, jedoch bei der zweiten Explosion, wenige
Minuten nach dem Yitzak am Ort des Geschehens eintraf, eine Vielzahl von
lebensbedrohlichen Schnittverletzungen in Gesicht und Körper durch umher
fliegende Metallsplitter davongetragen hatte. Beim zweiten Terroropfer
handelte es sich um Orna, ein kleine Frau, welche zwei ihrer drei Kinder
beim Bombenanschlag in Kinshasa, Kenia, im Jahre 1997 verloren hatte, jedoch
ihr eigenes und das ihrer kleinen Tochter retten und aus dem flammenden
Inferno der Hotelanlage entkommen konnte.
Diesen beiden Opfer fanden Halt und neue Freunde bei „Hands of Mercy“ und
sind inzwischen in der Lage über das Erlebte zu reden und damit umzugehen
und somit den Weg in des öffentliche Leben wieder eingeschlagen haben.
Dennoch kann man diesen beiden Personen den Schmerz in ihren Gesichtern nur
all zu gut ablesen, wenn sie über ihre Erlebnisse erzählen. Wie man sich
sicherlich nicht schwer vorstellen kann, waren alle Volontäre sichtlich von
dieser Begegnung berührt.
14.00 Uhr - Mittagessen im Restaurant „Ana Ticho“
15.00 Uhr - Stadtbesichtigung
Nun war es an der Zeit, die hungrigen Mägen der Volontäre zu füllen. Für das
Mittagessen hatte die Leiterin Silvi Behm ein sehr leckeres italienisches
Restaurant ausgesucht, wo bereits ein Vielzahl von unterschiedlichen Salaten
und Pastagerichten auf die Volontäre wartete. Dieses gemeinsame Zusammensein
wurde von vielen auch als Gelegenheit genutzt, sich die bisherigen Eindrücke
des bisherigen Tagesverlaufs auszutauschen. Nach dem Ausklang des
Mittagsessens mit einer Tasse Kaffee machte sich die Gruppe auf den Weg zu
einer kleinen Stadtrundfahrt, um die Zeit bis zum letzten Programmpunkt, dem
Besuch der Organisation „One Family“ zu überbrücken. Der Tourguide Yaron
Abramov zeigte uns sehr interessante Ecken von Jerusalem, welchen selbst
denjenigen Volontären, welche in Jerusalem wohnen, noch unbekannt waren.
17.00 Uhr - Besuch der Organisation „One Family“
Nach einer kurzen Begrüßung zeigten uns 2 Vertreter der Organisation einen
kurzen Einführungsfilm über ihre Arbeit und ihre Ziele, die sie mit ihrer
Arbeit verfolgen.
Die Organisation „One Family“ beschäftigt sich ebenfalls wie „Hands of Mercy“
mit der Hilfe von Terroropfern. Dabei wird soziale und psychologische Hilfe
geboten. Vor allem das Motto, der Name „One Family“ der Organisation, ist
Programm.
Vielen Menschen, die Familienangehörige verloren haben wird somit eine Art
„Ersatz“ geboten.
„One Family“ ist überall in Israel vertreten, wobei auch die Zusammenarbeit
mit anderen Institutionen und der Regierung sehr wichtig ist.
Die nur 20 Angestellten werden durch 520 Volontäre aus der ganzen Welt
unterstützt. Private Spenden, die hauptsächlich aus den USA kommen,
finanzieren die Arbeit der Organisation.
Am Ende der Vorstellung der Organisation berichteten 2 Überlebende von
Terroranschlägen über ihre Erfahrungen und über ihre Bewältigung des
Erlebten mit der Hilfe von „One Family“. Dabei ging es meist um den Verlust
von Familienangehörigen.
Dies war abermals ein sehr emotionaler Moment an diesem Tag.
Gegen 19 Uhr bestiegen wir den Bus zur Rückfahrt nach Haifa, um das schon
auf uns wartende Abendessen entgegen zu nehmen.
Freitag, 14. Januar 2005:
- 08.30 Uhr - Frühstück in der Mensa
09.30 Uhr - Workshop, Auseinandersetzung mit dem Thema
11.00 Uhr - mündliche und schriftliche Auswertung des Seminars
Nach dem Frühstück in der Mensa ging es auf zur letzten Etappe des Seminars.
Wie üblich stand auch diesmal wieder ein Workshop auf dem Programm, wobei
sich alle Seminarteilnehmer dazu im Seminarraum einfanden. Dabei wurden
Gruppen gebildet, die eine Übersicht mit Antworten zu den folgenden Fragen
ausarbeiten sollten. Die Fragen waren: 1. Wie definierst du nach all den
Vorträgen und Treffen, an denen du während des Seminars teilgenommen hast,
den Begriff Terror? , 2. Kannst du dir vorstellen, dass auch in Deutschland
so eine Art des Terrors eintreten kann? Wie würde das Leben davon
beeinflusst? und 3. Welche Ideen und Vorschläge hättest du, wie man
Terroropfer behandeln kann?
Dies bildete noch einmal die Möglichkeit die erlebten Tage reflektieren zu
lassen und darüber nach zu denken, was man schließlich gelernt hat. Jede
Gruppe stellte nach ausführlichen Diskussionen ihre zusammengetragen
Stichpunkte vor.
Den Abschluss des Seminars bildete die mündliche und schriftliche Auswertung
des Seminars. Es wurden Fragebögen verteilt, wo jeder Teilnehmer seine
Meinung abgeben konnte.
Dt. Botschaftsparty
in Tel Aviv (von Bernhard).
Am 26.01. fand eine Party für alle deutschen Volontäre in Tel Aviv statt.
Eigentlich findet ein solches Zusammentreffen schon zu Weihnachten statt, jedoch
hatte der neue Jugendattache der deutschen Botschaft damit ein Problem. Eigens
für die Party wurde eine ganze Disko in der Tel Aviver Innenstadt gemietet um
den Volontären das Leben in Israel zu versüßen. Zum anderen war es auch ein
Zeichen des Dankes für die Arbeit, die so viele freiwillig in Israel leisten.
Für mich kam die Veranstaltung ganz gelegen, um so manche Kontakte zu anderen
Volontärskollegen aufzufrischen. Es ist immer ganz gut, wenn man ein paar
Adressen in Israel hat um durchs Land zu reisen. Und dann gab es natürlich noch
das kostenlose Essen und Trinken. Ein DJ sorgte für gute Unterhaltung auf der
Tanzfläche, wo es mitunter schon heftig zur Sache ging. Nach zwei, drei Stunden
verlagerte sich die Party zunehmend vor den Eingang der Lokalität, wo einige
interessante Konversationen stattfanden. So verging die Zeit ziemlich schnell
und da waren wir auch schon wieder auf der Suche nach einem Scherut nach
Jerusalem, wo ich übernachten wollte. Am nächsten Morgen ging es mit dem Bus
nach Haifa zurück.
Hochzeit
(von Robert). Letzte Woche wurden wir
spontan zu der Hochzeit von Ilanas Tochter (Ilana ist die ehemalige
Bibliothekarin des Beit Rutenberg Instituts, welche jede Woche mal bei uns
vorbeischaut) nach Natanya eingeladen, eine Erfahrung, welche man sich nicht
entgehen lassen sollte. Gegen 17.30 Uhr brachen wir mit dem Bus nach Netanja,
eine Stadt die sich zwischen Haifa und Tel Aviv befindet, auf. Da es sich um
meine erste Hochzeit handelte, an welcher ich teilnahm, war ich von der immensen
Größe der Feierlichkeit besonders erstaunt. Über 600 Hochzeitsgäste hatten sich
da eingefunden und es herrschte eine äußerst ausgelassene Feierstimmung. Obwohl
es sich bei Ilanas Familie um eine recht religiöse handelt, war die Atmosphäre
sehr modern und es hatten sich neben Orthodoxen Juden und Rabbinern auch viele
weniger religiöse Angehörige eingefunden. Für das musikalische Rahmenprogramm
wurde eine Liveband mit Saxophonisten, Trompetenspieler, Schlagzeuger,
Querflöte, der guten alten Bongo Bongolei und natürlich einem hervorragenden
Sänger engagiert, welche für eine super Stimmung sorgte und sich neben
landestypischer Musik auch aus internationalen Songs zu bedienen wusste. Die
Trauung erfolgte nach der jüdischen Tradition und wurde durch den Segen des
Rabbiners offiziell anerkannt. Für Europäer, wie Berni oder mir, ist es
natürlich eine ganz besondere Erfahrung an so etwas teilzunehmen, da man dadurch
einen tollen Einblick in die jüdischen Bräuche und Traditionen bekommt. Nachdem
die Trauung vollzogen war, erfolgten viele unterschiedliche Freudengesänge,
welche das hervorragende 3-Gängemenue einläuten sollten, was von unseren
hungrigen und ständig leeren Volontärsmägen aufs sehnlichste erwartet wurde und
mit unserer sonst üblichen Routinenahrung, welche vorwiegend aus dem Verzehr von
Pizza, Hamburgern oder Pita mit Humus, nicht zu vergleichen war. Anschließend
ging's zum Verzehr von edlen Tabakwaren und leckerem Bierchen an die Bar, wo wir
uns genügend Mut antranken, um uns der tanzwütigen Hochzeitsgesellschaft auf der
Tanzfläche anzuschließen um gehörig das Tanzbein zu schwingen. Gegen 23.30 Uhr
ging es dann wohlgenährt und um ein äußerst interessante Erfahrung bereichert,
wieder gen Haifa, wo das Bett uns sehnlichst mit einem intensiven
Alkoholrauschaustreibungsschlaf in Empfang nehmen sollte. Für mich stellte
dieser Abend eine der bisher schönsten und intensivsten Erfahrung der jüdischen
Kultur hier in Israel seit unserer Ankunft dar und bin Ilana wirklich sehr
dankbar dafür, dass sie uns deutschen Volontären diese Chance der Teilnahme an
einer der wichtigsten jüdischen Festlichkeiten gegeben hat, was aufgrund unserer
deutschen Nationalität und deren Vergangenheit in Bezug auf die jüdische
Geschichte weiß Gott nicht als selbstverständlich verstanden werden darf.
PS by
Börnie: Auf der Hochzeit hatten wir auch
ein paar sehr interessante ältere israelische Herrschaften kennen gelernt. Die
Unterhaltungen waren sehr interessant auch im Bezug auf deren Haltung zu
Deutschland. Der eine will niemals wieder etwas mit Deutschland zu tun haben, da
man die damaligen Schmerzen am eigenen Leib erfahren hat und andere meinen, dass
die Beziehungen zu Deutschland heute wichtig sind. Da erstaunt es immer wieder,
wie viele der älteren Generation auch deutsch können. Man merkte auch, wie
willkommen wir in Israel sind und so etwas motiviert einen und man lernt Land
und Leute zu schätzen.