2. Tag Freitag, der 9.Juli
Unser zweite Tag sollte sich sehr musikalisch gestalten. Wir fuhren gegen 2 Uhr
mit Jonas, unser Mitbewohner, in einen Vorort von Haifa. Unsere erste
Fahrt mit einem israelischen Linienbus. Natürlich begleitete uns eine Spur von
Angst, da man ja in unserer Heimat ständig mit irgend welchen Busanschlägen
konfrontiert wird. Letztendlich war jede Sorge umsonst und wir erreichten
unbeschadet den Vorort, wo ein Freund von Jonas, der Rom heißt, wohnt. Rom ist
marokkanischer Abstammung und so kamen wir in den Genuss eines so genannten „Spicey’s
“, eine Art Sandwich mit Fischbällchen. Normalerweise hasse ich jede Art von
Fisch, aber dieses Sandwich ließ all meine Vorurteile verstumme, denn es
schmeckte einfach nur lecker. Rom zeigte uns auch einige seiner
Selbstgeschriebenen Lieder, welche er uns dann mit dem für Israelis typischen
Enthusiasmus darbot. Eine äußert lustige Angelegenheit. Nachdem wir unser
Hungergefühl gebändigt und auf humorvolle Art und Weise unterhalten wurden,
fuhren wir mit dem Cab (Taxi) in einen anderen Vorort von Haifa, wo sich Jonas
mit seinen anderen Bandmitgliedern zur Bandprobe für ihre Studioaufnahme
vorbereiteten. Ein äußerst cooler und abgefuckter Laden in einem Industriegebiet
der von einem Typen mit langen lockigen Haaren, wesentlich längere als ich sie
hab, betrieben wurde, welcher in Fachkreisen auch „Jonny Nonstop“ genannt wurde.
Wir trafen also auch die anderen Mitglieder der Band. Jossi, Avital und noch der
Drummer, dessen Name mir entfallen ist. Wir blieben ungefähr drei Stunden und
lauschten den Klängen der Band, welche stark an Bob Dylan angelehnt sind und so
umso schneller unser Herz eroberten. Auf der Rückfahrt sollten wir um ein
weiteres Kapitel israelischen Temperaments bereichert werden. So schnitt zum
Beispiel unser Taxifahrern einen anderen einfach mitten auf einer belebten
Straße, da er fürchtete, dass dieser ihm den Fahrgast vor der Nase wegschnappen
könnte. Ein weiteres Beispiel für die einheimischen Emotionen ereignete sich
bereits auf der Hinfahrt zu Rom, wo unsere Fahrt durch zwei wild gestikulierende
Israelis unterbrochen wurde, wobei der eine( der Ältere von beiden) einige harte
Hiebe mit dem Milchkarton durch den Jungspunt einstecken musste. Alles halb so
wild. Wir sind zwar gerade mal zwei Tage auf israelischen Boden, doch ist uns
die Mentalität nicht mehr fremd. Sie rasten alle tierisch schnell aus und
schreien ihre Umgebung grundlos an, doch in fünf Minuten kann sich keiner mehr
daran erinnern, weil es irgend wo anders auch schon wieder einen lustigen
Ringkampf gibt. Also alles halb so schlimm.
In Haifa gegen Mitternacht wieder angekommen hauen wir uns erstmal aufs Ohr weil
wir einfach nur fertig sind.
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