22. August - 20. September 2004

Nach langem Warten ist es nun endlich wieder soweit. In den nächsten paar Zeilen erwartet euch eine kleine Zusammenfassung der Ereignisse des vergangenen Monats. Es hat sich viel zugetragen im Leben der beiden haarigen Freunde aus dem Sachsenland, die hinauszogen, um den Orient unsicher zu machen.

Neben dem ersten Voloseminar, einem Besuch der anderen IDJE-Freiwilligen aus Afula, der Ankunft einer kleinen Truppe aus Großbritannien am Rutenberg („die spinnen die Briten“), werden wir euch auch über lustige landestypischen Anekdoten zu informieren wissen.

Also beginnen wir doch gleich mit einer solchen.
Wir, das heißt Bernhard, Ich, Jossi (ein 25 jähriger
Israeli, der in Bernis Band mitspielt und zurzeit aufgrund seiner Arbeitslosigkeit und aus finanziellen Gründe mit bei uns in der Bude wohnt), Janif
(ein Freund Yossis, welcher vor einiger Zeit für ein halbes Jahr in Indien gelebt hat, Oznad (ein nettes Mädel mit einen Gesicht wie Gollum) und unser immer trommelnder und nach Bongos suchender Gaddi, machten uns einen Donnerstagabends auf dem Weg zum Strand, um dort ein wenig Bongos, Kongas und Digeridoo zu spielen und dabei das Rauschen des Meeres zu genießen. Wir ließen uns in einer Art halbkreisartigen Amphitheater nieder, wo sich am Abend viele Menschen treffen, um sich entweder über die geschehenen Ereignisse der vergangenen Woche auszutauschen, Nargila (Wasserpfeife) zu rauchen oder wie in unserem Falle für die musikalische Untermalung des Ganzen zu sorgen. So schlecht kann es gar nicht geklungen haben, denn nach weniger als 15 Minuten hatten sich ein kleine Menschentraube um uns gesammelt, die gefallen daran gefunden hatte, zu unserer Musik zu tanzen und zu singen, oder gegebenenfalls, wenn sie auch über ein Musikinstrument verfügten mit einzustimmen. Für den Höhepunkt des Abends sorgten aber 2 Vertreter des weiblichen Geschlechts, welche sich kurzerhand entschieden hatten, die heitere Stimmung für den richtigen Zeitpunkt zur Lösung ihrer Feindseligkeiten zu nutzen. Folge dessen wurde wir Zeugen einer alternativen Art der Konfliktbewältigung, wie ich sie auf israelischen Boden schon oft zu sehen bekommen habe, jedoch noch nie in der weiblichen Ausführung bewundern durfte. Um gleich auf den Punkt zu kommen, die Frauen stehen dem männlichen Geschlecht in Sachen Wutausbrüchen in nichts nach, ganz im Gegenteil, ich glaube sogar, sie sind in ihren Ausführungen noch wesentlich präziser und zugleich kaltblütiger. Wie gesagt, es kam letztendlich zu einer mehr oder weniger eleganten Kampfeinlage der beiden Mädels, wie es meine Augen noch nie gesehen hatten und natürlich die anwesende Männerwelt umgehend zu spontanen Anfeuerungen der einzelnen Parteien motivierte. So wurde jeder Treffer mit Applaus aus der Männerecke gewürdigt, was wiederum unsere beide Akteure zunehmend anspornte, welche nun jegliche Kontrolle über ihre Bewegungsabläufe verloren hatten. Es wurde geschrieen, gekratzt, geschlagen und getreten, die Zahl der Zuschauer wuchs und wuchs und wir wiederum sorgten für den passenden Trommelwirbel mit unseren Instrumenten. Nach ungefähr 10 Minuten unentwegtem Schreien, Treten und letztendlich auch dem Einsatz schmutzigen Methoden wie dem Anspucken der Kontrahentin, gelang es einer Gruppe von mindestens 10 Männern (!!!!) darunter auch einige Polizistinnen, die beiden Kampfhähne zu trennen, welche sich immer noch nicht eingekriegt hatten. Zu Spitzenzeiten wohnten diesem Spektakel um die 60 bis 70 Zuschauer bei. So schnell dieser Kampf gekommen war, so schnell war er letztendlich vergessen, den solche spontanen Gefühlsausbrüche gehören einfach zu israelische Mentalität dazu und man könnte sicherlich noch einige weitere Anekdoten erzählen, welche das untermauern würden.

Am 26.August sollte Silvi, die Chefin der deutschen Abteilung, aus dem Urlaub kommen und das erwartete Balagan („Chaos“) konnte beginnen. Da das erste Volontärsseminar stand vor der Türe und wir hatten jede Menge zu tun, da hieß: Vorbereitung des Programms und der Unterkunft, Erstellung von Teilnehmer- und Zimmerlisten und parallel dazu, das nie enden wollende Chaos am gesamten Institut. Letztendlich hatten wir noch alles rechtzeitig geschafft und warteten voller Erwartung auf das, am 08. September beginnende, Volontärseminar, was sich mit dem Thema „Armee und Zivildienst in Israel“ auseinandersetzten sollte. Und ich muss schon sagen, es waren 3 geile Tage gewesen, da man viel vom Land gesehen und jede Menge anderer Volos kennen gelernt hatte, mit denen man in Zukunft, noch den ein oder anderen feuchtfröhlichen Abend verbringen dürfte. Doch nun mal im Detail. Am Mittwoch (8. September) stand erst ein Mal das gemeinsames Kennenlernen mit anschließendem Vortrag eines Armeesprechers der so genannten Zahal (Name der Israelische Armee), welche man auch als IDF, Israelien Defense Forces, bezeichnet, auf dem Programm. Da sich in der Runde viele Kriegsgegner und Pazifisten befanden, kann man sich ja sehr gut vorstellen, das der anschließenden Gesprächsrunde sehr unterschiedliche Meinungen zum Vorgehen der israelischen Armee zu Grunde lagen. Der Armeesprecher, war ein Israeli namens
Jaron Pazi, welcher bis vor fünf Jahren noch in München lebte und neben der israelischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt. Er arbeitet in einer Armeesprechereinheit und übt dort die Öffentlichkeitsarbeit aus. Durch ihn erfuhren wir, was für einen hohen Stellenwert die Armee in Israel einnimmt und somit zu ein wichtigen Bestandteil des öffentlichen Lebens wird, was auch den Grund für die allgegenwärtige Armeepräsenz darstellt. Durch die äußerst prekäre Sicherheitssituation in Israel, ist die Armee für den Staat zu einer überlebenswichtigen Instanz geworden, da man jederzeit mit Angriffen der umliegenden arabischen Staaten rechnen muss. Diese traurige Tatsache führte zu dem Aufbau einer Armee, welche zu den Besten der Welt gezählt wird. Das der Aufbau einer Streitmacht überhaupt realisiert werden musste, liegt ohne Zweifel an den zahlreichen Kriegen
(fünf innerhalb von 40 Jahren ), welche Israel führen musste, um die Existenz des Staates zu gewährleisten. In ganz Israel besteht die Wehrpflicht, also haben auch Frauen die Pflicht den Dienst an der Waffe zu absolvieren, ausgenommen sind ultraorthodoxe jüdische Frauen und Frauen die bereits verheiratet sind und Kinder haben. Die Frauen müssen 2 Jahre an der Waffe dienen, Männer drei, wobei bei orthodoxen Juden die Zeit auf eineinhalb Jahre verkürzt wird. Ultraorthodoxe Juden können den Dienst an der Waffe, wie die Frauen, aus religiösen Gründen verweigern. Der arabischen Bevölkerung wird der Dienst grundsätzlich freigestellt. Generell gilt jedoch die Wehrpflicht für Mann und Frau zu 3 bzw.2 Jahren, wobei die Frauen den Männern vollkommen gleichgestellt sind. Natürlich kam darauf hin prompt die Frage, ob es denn den Soldaten und Soldatinnen untereinander gestattet sei Liebesbeziehungen aufzubauen. Es ist zwar nicht möglich mit seiner Freundin oder dem Freund in der selben Einheit zu dienen, aber wenn sie in einer anderen Einheit dient, ist es erlaubt und der Liebe steht somit nichts im Wege, weshalb man auch sagt, das die Armee der „größte Heiratsmarkt Israels“ sei. Der Großteil der Streitkraft besteht aus Reservisten, dass sind all die Männer, welche bereits an der Waffe ausgebildet worden sind und wieder in das zivile Leben eingestiegen sind. Die Männer müssen jedoch bis zum 45. Lebensjahr jährlich für eine Dauer von 1 Woche bis zu 44 Tage pro Jahr Reservedienst leisten. Dies hat den Vorteil, das man bei einem Angriff durch ein feindseliges Land binnen 24 Stunden alle Reservisten mobilisieren kann und somit eine schlagkräftige Verteidigungsarmee, wie sie von den Militärs bezeichnet wird, aufbieten kann. Da die IDF alle Angriffe der arabischen Staaten, welche als Ziel die Vernichtung des jüdischen Staats Israel beabsichtigten, abwehren konnte und zudem noch Gebietsgewinne, wie dem Vordringen in die strategisch wichtigen Golan Höhen, welche sich jedoch auch durch ihre natürliche Schönheit auszeichnen, vorzuweisen hat, ist man in Israel sehr stolz auf die Armee, was man auch bei Gesprächen mit der einheimischen Bevölkerung bemerken kann. Aufgrund diesen Aufbaus des Militärs sagt man auch „Die Armee ist das Volk, das Volk ist die Armee.“ Dies klingt beim ersten Hören sehr militaristisch und man denkt mitunter, dass man es mit bei der israelischen Bevölkerung mit einem Armeeliebenden Land zu tun hat, aber es ist im Grunde das absolute Gegenteil. Wir haben schon viele Gespräche mit Freunden geführt und gefragt, wie sie zur Armee stehen. Alle haben gesagt, das sie überhaupt nicht zur Armee wollen, aber die Generation vor ihnen hat es ihnen durch den Armeedienst ermöglicht, in einem halbwegs sicheren Land aufzuwachsen und nun sind sie an der Reihe, das selbe für die kommende Generation zu leisten.
Wie in Deutschland auch besteht nach absolvierter Ausbildung, die Chance sich länger verpflichten zu lassen, was von vielen auch angenommen wird, da es gut bezahlt wird. Dadurch ist die Zahal einer der größten Arbeitgeber im Land. Sieht man sie ganzen Security Guards, welche zur Armee dazu gezählt werden und von denen es wirklich jede Menge gibt, fällt einem dass auch nicht schwer, es nach zu vollziehen. Alles in allem investiert man pro Jahr rund 15% des jährlichen Staatsbudget in die die innere Sicherheit und damit in das Militär.
Nach dem Vortrag kam es, wie schon erwähnt zu einer äußerst kontroversen Gesprächsrunde zwischen dem Armeesprecher Jaron und unseren Volontären. Es wurde viele Fragen gestellt, wie zum Beispiel: „Warum muss man einen alten Greis im Rollstuhl per Hubschrauber mit Raketen beschießen?, oder „Ob der Bau des Sperrzauns völkerrechtlich überhaupt gerechtfertigt ist?“ Natürlich konnte man auf diese Fragen von einem Armeesprecher kein Antwort erwarten, dessen persönliche Meinung, sowieso tabu war, denn „in der Armee ist Politik ein Fremdwort“, so der Sprecher. Eins hat mir jedoch dieser Vortrag gezeigt, denn bei all den negativen Vorurteilen, welche man sich durch die unzureichende Medienlandschaft in Deutschland zu Thema israelische Armee aufgebaut hat, muss man doch erkennen, dass die Zahal einen großen Teil dazu beigetragen hat, dass Israel noch als Staat besteht und weiterhin bestehen wird. Über die Art und Weise, wie man es durchsetzt, lässt sich natürlich streiten, doch man muss sich auch beide Seiten anhören, den eins muss man bedenken, so schlimm wie der Sperrzaun für die palästinensischen Bevölkerung auch ist, so vorteilhaft und schützend wirkt er sich auf sie Israelis aus, denn seit dessen Bau sind die terroristischen Anschläge in Israel um 70% gesunken. Nach dem theoretischen Teil am Mittwoch, machten wir uns am Donnerstag auf, um in den Golan Höhen, im Norden Israels, den praktischen zu erfahren und kennen zu lernen. Die Fahrt mit den Bus startete gegen 8.30 Uhr. Auf den Weg passierten wir Tiberias, eine Stadt am See Genezareth gelegen, und besuchten die Taufstelle von Jesu am Jordan. Dabei handelt es sich jedoch nicht um die wahrhafte Taufstelle, denn diese liegt in abgesperrtem Gebiet, wo keine Touristen hingeführt werden dürften, da dieses Gebiet zu gefährlich ist. Auch den Jordan hätte ich mir größer vorgestellt, aber der anschließende Blick auf den See Genezareth entschädigte dafür um so mehr. Wir fuhren weiter entlang der Grenze zu Jordanien, welche mit Warnhinweisen für noch existierende Minenfelder gespickt ist. Gegen 11 Uhr erreichten wir eine Panzerkaserne, eine von vielen Militärbasen in den Golan Höhen. Bevor wir die Panzer und deren Innenleben inspizieren konnten, nahmen wir alle im Briefing Room der Basis Platzt, wo uns 3 blutjunge Soldaten im Alter von 18 bzw. 19
Jahren auf von die von uns gestellten Fragen antworteten. Wie erfuhren viel über den Alltag in einer Panzerkaserne und die Bedenken eine baldigen Einsatzes der Soldaten in Gaza-Stadt. Als ob das noch nicht genug gewesen wäre, gerieten wir bei der Besichtigung der Panzer auch noch in einen 30 sekündigen Sandsturm. Dem zu Folge sahen wir danach auch ordentlich verschweinert aus. Den Abschluss unseres Ganztagsausflugs bildete die Besichtigung des Aussichtspunktes Ben-Tal, eine ehemalige Bunkeranlage auf einem Berg, nahe dem Grenzstreifen zu Syrien, den eine offizielle Grenze zwischen Syrien und Israel gibt es nicht, da zwischen beiden Staaten kein Friedenvertrag besteht und manchmal auch ein syrischer Marschflugkörper gen Israel abgefeuert wird. Es war schon beeindruckend in den engen Bunkergängen rumzulaufen, oder in einer der vielen MG-Stellungen zu stehen, mit dem Wissen, das es jeden Tag erneut zu einem Überraschungsangriff von Seiten Syriens oder anderer Staaten kommen könnte, wie es dem Jom-Kippur-Krieg von 1973 vorausging, als Syrien zu Jom-Kippur, einem der heiligsten Tage im jüdischen Kalender, einen Überraschungsangriff wagte, welcher für die israelische Armee völlig überraschend kam, den an diesem Tag ist das öffentliche Leben lahm gelegt und man empfängt weder Funk noch Fernsehen. Übrigens wird hier nächsten Samstag (25.September) erneut Jom Kippur gefeiert. Damals flog ein israelischer Kampfjet über die leergefegten Städten, um die nichts ahnende Bevölkerung über den Angriff zu informieren.
Müde aber voller neuer Erfahrungen kehrten wir gegen 19 Uhr wieder im Rutenberg zurück, um erst mal ordentlich Essen zu fassen. Anschließend fuhren wir mit einigen Volontären zum Strand, um das warme Meer bei Nacht zu genießen und uns in die heranbrausenden Wellen zu schmeißen. Am Freitag wurde das Seminar ausgewertet und noch schnell die Emailadressen ausgetauscht, welche in Zukunft von großer Bedeutung sein werden, um in Tel-Aviv oder Jerusalem eine günstige Übernachtungsmöglichkeit zu bekommen.
Als dann gegen 13 Uhr die ganze Meute wieder davon gefahren war, wirkte das Institut schon ein wenig mystisch. Gerade waren noch ein reges Treiben im Hause und es war schön so viele andere deutsche Volos um sich zu wissen und plötzlich wirkte es wie ausgestorben. Es folgten die ersten, ja ich glaube ich kann von einsamen Stunden schreiben, die mir seit meiner Ankunft im gelobten Land widerfahren sind. Es war ein komisches Gefühl, was ich so noch nicht gespürt hatte. Man wusste, man hat schon jede Menge Leute und auch Freunde kennen gelernt, doch ganz kann einem dass, den gewohnten Rückhalt durch Freunde und Familie nicht ersetzen. Es war kein Heimweh, zumindest verspürte ich nicht das Gefühl nach Hause reisen zu wollen, ich schreibe vielmehr von einem Gefühl der inneren Leere, vielleicht auch deswegen, weil man in den ersten 2 Monaten mit einer Fülle von neuen Eindrücken bombardiert worden war und plötzlich das Gefühl hatte das man sich im Kreise dreht, ohne voran zu kommen. Auf dem Ausreiseseminar beschrieb ein ehemaliger Volontär die Gefühlskurve mit einer Sinuskurve, die ersten Tagen und Wochen fühlt man sich klasse und die Kurve steigt nach oben, doch dann kippt sie und sinkt sehr sehr weit in die Tiefe, bevor sie wieder zu steigen beginnt und erneut ein Maximum erreicht wird, was meistens mit der ungewollten Abreise zurück nach Deutschland verbunden ist. Nun ja, ich glaube, in diesen Stunden hatten ich erkannt, dass ich das Maximum überschritten hatte, und nun die Kurve zu sinken begonnen hatte. Wie gesagt, es war ein merkwürdiges Gefühl, vergleichbar mit dem Einsamsein in einem fremden Land, obwohl man doch schon 2 Monate hier lebte und man glaubte sich gut eingelebt zu haben. Doch dan wurde ich aus diesem Gefühl entrissen, denn plötzlich und völlig unerwartet standen die IDJE-Volos aus Afula vor der Tür, um uns einen kleinen Wochenendbesuch abzustatten. Und plötzlich machte man sich auch keine Gedanken mehr über die merkwürdigen Gefühle, mit dene man sich noch wenige Stunden vorher herumgequält hat. Also wurden ein paar Matratzen aus dem Schuppen organisiert und die 4 Volos aus Afula für das Wochenende im „Kibbutz Hatishbi“ ( Name der Volowohnung, in Erinnerung an die Gründungsväter Carlus & Mattes) einquartiert. Da die armen Kerle ( und ein Mädchen, Ira) anscheinend in Afula nichts zu Essen bekommen, wurde kurzerhand erstmal die Küche des Rutenbergs geplündert, um am Abend sich auf die Louis Promenade zu setzen und über die bisher erlebten Erfahrungen zu plaudern. Denn nächsten Tag ging's an den Strand, um die afulanische Männerfraktion wurde erstmals mit der Frauenwelt Haifas vertraut zumachen. Am Ende hieß es Abschied nehmen und sich auf ein baldiges Wiedersehen zu einigen.

Und langsam kam auch wieder Leben in das Rutenberg, nicht dass ihr jetzt denkt es wäre nicht los, ganz im Gegenteil, die Schule hat wieder begonnen und auf dem ganzen Campus rennen Kerls mit einer Kipa auf dem Kopf rum, da wir eine orthodoxe Jungensschule auf dem Gelände haben, aber nur wenige von ihnen können Englisch und man sieht sie auch zu selten, da man ja arbeiten muss und deswegen kann man nur sehr langsam Kontakt zu ihnen aufnehmen. Außerdem herrscht immer Balagan im Treppenhaus und man muss immer an 3 Ecken gleichzeitig sein, weswegen es auch nie langweilig wird. Und wenn sie dann alle wieder anfangen zu schreien, kann man sich eh nur noch vor lachen weghauen, denn man versteht ja nur Kauderwelsch und weiß auch gar nicht was sie von einem wollen. Und wenn dann unser nordirakischer jüdischer Haumei Itzik loslegt wieder irgend was zu faseln, was nicht mal Nava, also die provisorische Chefin, die den ganzen Laden zu gut wies geht zusammenhält, verstehen kann, weil der irakische Akzent durchkommt, jedoch dadurch jeder Informationsgehalt verloren geht, fange sie eh alle wieder an zu lachen und wissen gar nicht warum sie eigentlich streiten. Außer Itzik natürlich, aber den juckt das dann och nicht mehr.

Seit einer Woche beherbergen wir auch wieder eine 12-köpfige Gruppe von Jugendlichen am Institut, die alle so alt sind wie wir. 10 von ihnen kommen aus England, einer aus Maryland, USA, und Ben kommt aus Schottland, weswegen er auch ständig von der englischen Übermacht verbal fertig gemacht wird, da diese mit Schotten nicht so richtig können. Daher hört man meistens beim Abendbrot, was Berni und Ich für die Gruppe zubereiten müssen, den Satz: „Shut up, Scot!!!!!“. Und auch wir als Deutsche, bekommen täglich unser weniger ernst gemeintes Fett weg. Des Weiteren gibt's nichts geileres als den gestörten Londoner Akzent, den die meisten sprechen. Doch eine einzige Gemeinsamkeit zwischen Briten und Deutschen konnten wir dann doch feststellen. Die innige Liebe zu einem guten, frisch gezapften und wohlbekömmlichen Bier. Man kann schon sagen, dass man in Briten richtig gute Trinkkumpanen finden kann, was wir letzten Freitag im Beer House feststellen durften. Anschließend ging's dann noch ins „Pachos“, einer kleinen Disco in Downtown, wo ich Erschreckenderweise feststellen musste, das man mit genügend Alkohol im Blut auch das Hassgefühl gegenüber der, in Israel leider weit verbreitenden, Technomusik ablegen kann, da ich mich erwischt habe, wie ich mit der ganzen Bande, einschließlich unseres anderen langhaarigen Freundes Bernhard, zu abgrundtiefhässlicher Technomusik getanzt habe.
Dafür hat natürlich, und wie sollte es auch anders von mir beschrieben werden, die Anwesenheit der aufreizend gekleideten israelischen Frauenwelt genügend entschädigt, deren ich lediglich eine desaströsen Musikgeschmack nachsagen kann. So ihr merkt schon, ich habe mich mit meine Ausführungen über das weibliche Geschlecht eher bedeckt behalten, da ich euch ja auch nicht immer mit der gleichen Leier langweilen will.
Wie gesagt, mit den Briten haben wir jede Menge Spaß und das schöne ist, sie blieben uns noch 6 Wochen erhalten.

Neben all diesen Ereignissen galt es letzte Woche auch Rosh Hashana, das jüdische Neujahrsfest, zu feiern. Ich musste leider für die „Bande von der Insel“ Essen machen, aber Bernhard war bei Amir, dem Chef vom Mediencenter essen gewesen und kann euch dazu sicherlich im späteren Verlaufe noch etwas zu den Gepflogenheiten dieses jüdischen Feiertags erzählen. In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern „Shana Towa“, ein fröhliches neues Jahr, übrigens ist es nach jüdischen Kalender das Jahr 5765.

Dass wir als Zivi nicht nur in der Küche oder im Garten unsere gefährliches Einsatzziele finden, ist euch ja schon bewusst geworden, doch vor drei Wochen erhielten wir auch einen geheimen Sicherheitsauftrag von ganz oben. Es war Sonnabend Abend, da erreichte uns ein Anruf von Nava: „ Das Licht in Raum 5 ist an, geh und schau nach was los ist!“. Dies war der Einsatzbefehl für die beiden auserkorenen Sicherheitsleute des Rutenberg Instituts Agent Prinzler und Agent Näther. Wir stapften also in die Nacht hinaus, um nachzusehen was los war. Als wir angekommen waren, schien komischer Weise nicht nur im Raum 5 das Licht an zu sein, denn von draußen konnten wir erkennen, dass alle Fenster des gesamten Gebäudes sperrangelweit offen waren und überall das Licht brannte. Agent Prinzler und Agent Näther waren natürlich sehr besorgt über die Sicherheitslage im Einsatzgebiet und dem zu untersuchenden Objekt. Wir sicherten erst einmal durch langsames Rannpirschen die nähere Umgebung und mussten erstaunt feststellen, dass auch die anderen im Einsatzort befindlichen Objekte, wie dem Mediencenter und die religiöse Schule sperrangelweit offen und beleutet waren. Wir informierten umgehend Superintendet Comissioner Sergeant Nava Friedman, die, die die ganze Rasselbande zusammenhält. Diese widerum antwortete per Satelittentelephon, ach was red ich von antworten, wie es sich für israelische Vertreter der Kategorie Superintendet Comishinor Sergeant üblich ist,fing sie natürlich an zu schreien, „Oh Fuck!! ( Anmerkung der Redaktion: aufgrund der Brisanz dieses Vorfalls wurde sich von nun an nur noch per informal Speech verständigt). Nach einigen Sekunden des Bangens und der Angespanntheit befahl uns Superintendet Comishinor Sergeant Nava Friedman zur Stürmung des Objektes. Langsam aber sicher tasteten sie die beiden Agenten Prinzler und Näther Stockwerk für Stockwerk vorwärts, ohne jedoch auf irgend eine, sich im Objekt aufhaltende, Existenz zu stoßen, sie löschten daher in jeden Raum das Licht und schlossen alle Fenster, wie sie es in der „Special Agent Academy“ zuvor gelernt hatten und verließen das Objekt A
(Hauptgebäude Rutenberg Institut). Sie wollten eigentlich noch die anderen Objekte (Schule und Mediencenter) überprüfen, aber da sie für diese Mission nicht ausgebildet waren und ihnen das nötige Equipment fehlte ( keine Schlüssel für diese Objekte) beschlossen, auch aufgrund eines mysteriösen Geräusches im dunklen Gestrüpp (kein Scheiß, da war wirklich etwas und es hat sich wie Schritte angehört), den Rückzug aus dem Einsatzgebiet durchzuführen. Na ja um ehrlich zu sein hatten wir Schiss und eben keine Schlüssel und wir hamm uns aus dem Staub gemacht.
Wir informierten Superintendet Comishinor Sergeant Nava Friedman über unser Vorgehen, welche sehr zufrieden mit unseren mutigen Einsatz in einer solch schweren Situation gewesen war. Aber eine Abmachen machten wir noch.
Agent Prinzler: „But Nava, the next time we will get
gun!!“
Superintendet Comishinor Sergeant Nava Friedman:
„HaHAHA, of course you will!“

Ich hatte noch eine weitere Begegnung mit der dritten Art, doch diese nur kurz zusammengefasst. Neulich, ich musste gerade das Abendbrot der Briten abwaschen und war der letzte in der Küche, wollte ich vor dem Zuschließen noch den Müll rausbringen, und was liegt im Mülleimer eine riesengroße fette eklige, mit monströsen langen Schwanz ausgestattete Maus, keine Ratte, aber ne ziemlich große Maus. So, ich hab ja nichts gegen große Mäuse die bereits das Zeitliche gesegnet haben, also schenkte ich ihr wenig Beachtung. Ich befreite noch schnell die beide Bleche von der Spülmaschine von den daran klebenden Essensresten, durch mehrmaliges Abklopfen an der Innenseite des Mülleimers.
Auf einmal springt mir die Todgeglaubte Riesenmaus mit voller Wucht gegen den Arm, da sie gar nicht tot war, sondern ne Runde genickt hatte und durch den Lärm des Schlagen der Bleche aufgewacht war. Na toll, es ist um acht abends, ich will nach
Hause und nun springt mir ne eklicke mit Essensresten verklebte Riesemaus durch die Küche. Durch den Schreck (ich will nicht wissen wie ihr darauf reagiert) hab ich nicht gesehen wo sie hin ist. Ich bin dann auch erstmal gegangen, im Glauben die Maus wird schon wieder auftauchen. Am nächsten Tag informierte ich dann Nava, die sagte Itzik, dass er paar Fallen aufstellen soll, was er aber, wie sich hinterher herausgestellt hat, nicht tat. Naja, den nächsten Abend durfte ich wieder abwaschen und hab wiederum Bekanntschaft mit der Maus gemacht und diesmal sah ich wie lang sie wahr. Für jede echte Katze
wär das ein 5-Gänge Menü gewesen, aber vom aller feinsten.
Naja ich hab nur ihren fetten Körper um die Ecke schwingen sehen und dann hat sie sich wieder im Schutzspendenen Dunkel der Küche eingenistet. Nächsten Tag gab's dann akute Küchenquarantäne und das Küchenpersonal, sprich die beiden Russinnen Sina ( Codename: Goldzahn) und Ilana (Frau mit Boxergesicht und Körperstatur eines Boxers der Schwergewichtsklasse) und natürlich die kleine handliche Araberin Seida, waren gewarnt, bei jedem Anzeichen des Auftauchens der Maus Alarm zu geben, was sie gegen 11Uhr auch im schreienden Zustand taten. Die, inzwischen von Itzik ausgelegten, Mausefallen erzielten nicht den erhofften Erfolg und so kam es zu einem Stellungskrieg zwischen der Maus und unserem unschlagbaren Mäusebekämpfungssonderkommando, um den nordirakisch-jüdischen Haumei Itzik und dessen mit stählerner Männlichkeit ausgestatteten sowjetischen Verbündeten Sergei ( Codename :
Sowjetischer Held der Arbeit: wurde bei einem der ersten Tagebucheinträge erwähnt, stammt jedoch nicht wie zuerst angenommen aus Bosnien, sondern ebenso aus Rußland). Diese lauerten so lange bis die Maus letztendlich ihren entscheidenden Fehler beging, sie wagte sich als erstes aus ihrem Graben, um dadurch nach allen Regel des Stellungskriegs, so wie wir es im Geschichtsunterricht gepaukt hatten, über den Haufen gemäht zu werden, was in unserem Falles heißt, dass Itzik die Maus mit überdimensionalem Schwanz in zwei Teile geschlagen hat. Das arme Ding. Tja es ist schon nicht leicht, das Leben einer Maus, besonders dann nicht, wenn man 2 so ausgefeilte, mit allen Wassern gewaschene und mit der Theorie des Stellungskrieges vertrauten Vertreter des männlichen Geschlechts gegenüber steht, wie es Itzik und Sergei nun mal sind. Aus die Maus.

Wie schon erwähnt, hatten wir Neujahr. Und wie es sich gehört, haben wir ein schönes Neujahrsbalagan erleben dürfen. Zuerst ist mir mein Rechner mit all den wichtigen Dateien abgekackt und es hat uns viel Zeit und Kraft gekostet, diesen wieder leidlich herzustellen, was ich ohne die Hilfe von Berni nie hinbekommen hätte. Und dann läuft uns noch gestern die Frittiermaschine in der Küche aus, natürlich gerade 5 Minuten, nachdem Ilana ( die mit dem Boxergesicht) nach Hause gegangen ist, sodass Berni und ich, na gut, eigentlich nur Berni, das ganze Fettige Öl auf dem Boden wegwischen musste. Und heute haben wir feststellen müssen, das der Abfluss von unserer Dusche so stark verstopft ist, dass das Wasser knapp 2 Stunden brauch, um abzulaufen. Ich hab Nava bescheid gegeben und die schickte Itzik, ja ganz genau Itzik, das nordirakische Raubein, was ungefähr 1,60 groß ist und den man nie versteht. Dessen Prognose sah äußerst niederschmetternd aus. Ich weiß nicht warum, aber irgend wie kommt es mir so vor, dass, wenn irgend etwas kaputt ist, wird es nicht repariert, sondern weggerissen und dann neu aufgebaut. Auf jeden Fall sagte mir Nava, dass man daran nicht mehr retten kann, mir war klar, dass die Duschkabine nicht mehr zu retten war, den die flog uns beim Duschen ja schon seit geraumer Zeit um die Ihren, aber nun wird Itzik, ja das kleine 1.60m irakische Raubein, die Dusche komplett wegreisen und was neues hinschmieden, da coole ist, ich darf ihm dabei helfen, dass wird ein Spaß, ich und der Itzik und natürlich unser sowjetischer Held der Arbeit namens Sergei, ein Russe, der kaum hebräisch kann, ein irakischer Jude, der hebräisch spricht, den aber keiner versteht, weil er einen ganzen Satz in einen Wort auszudrücken versucht und es immer herausgebrüllt, und letztendlich ich, ein Deutscher dessen Brocken Hebräisch einem beim Bau einer neuen Dusche für die Volowohnung auch nicht weiter helfen wird. Na das kann ja Eiter werden.

Lo tov se balagan!!! ( Nicht gut, so ein Chaos)

So nun bin ich aber müde, hab mehr als 6 Stunden geschrieben und hoffe ihr seid informiert, ich geh jetzt in mein Bett und träume von Mäusen mit langen Schwänzen, von Computerviren, von Itzik und den ganzen Unruhestiftern, von Geheimagenten und deren kniffligen Fällen, von Britischen Humor, von verstopften Duschspülungen und natürlich, und dass wird auch der Grund für ein geruhsames Einschlafen sein, von der wunderschönen weiblichen Strandkultur hier in Israel. Euer Schreiberling Robert, alias der Wollkopf.

P.S. Morgen geh ich zum Friseur, na dass kann was werden, ich hoffe dort wird sich die Unglücksserie seit Neujahr nicht fortsetzen.

 

Wie immer gebe ich (Bernhard) noch meinen Senf dazu!

Ich fange mal mit dem kürzlich gefeierten Neujahresfest Rosh Hashana an. Am Beit Rutenberg ist es üblich, dass ab und zu die Volontäre von den Mitarbeitern zu Feiertagen eingeladen werden um mit ihnen zu essen. Das ist zum einen ganz gut, um die Kultur kennen zu lernen und um zum anderen seinen Magen richtig voll zu schlagen. Zumindest gab es zum Neujahresessen bei Amir, mein Chef im Mediencenter, reichlich zu essen. Zwar ging es nicht sehr religiös zu, da kaum etwas von irgendwelchen Regeln und Sitten zu spüren war, aber das liegt sicher daran, dass Amirs Familie sehr weltlich ist und ziemlich locker ist, wie man es hier von den meisten Israelis kennt. Es war also mehr ein Zusammentreffen der gesamten Familie zu einem großen Essen. Dazu, wie es Brauch ist, Apfelstücken, die man mit Honig isst. Weiterhin waren auch die Gespräche sehr interessant. Z.B. habe ich mit Amirs Vaters Lebensgefährtin, die 10 Jahre in England gelebt hatte und hier nun als Kunst- Professorin an der Uni arbeitet, unterhalten. Da kann man sehr viel über das Leben der Juden in Europa erfahren. Zum Beispiel meinte sie, dass es auch in England einen starken Antisemitismus gibt. Zum Schluss gab es noch ein Gläschen Wein und dann ging es wieder in die Hatishbi Street.

Hach, das war schon ein Schreck als der PC im German Office nicht mehr wollte. Wie aus Geisterhand ging nichts mehr. Tja und da war es Zeit für einen ersten großen Einsatz des IT- Experten des Rutenberg Instituts. Gleich machte sich wieder das Chaos bemerkbar, was man von den Israelis nur zu gut kennt. Man sucht die Software und kann nirgendwo eine passende CD finden und dann ist man froh wenn man sich die Treiber irgendwie aus dem Internet zusammensuchen kann, wenn man erst einmal das Betriebssystem wieder startklar hat. Aber ich will hier jetzt nicht weitere Ausführungen machen... Jetzt läuft der PC wieder, nachdem mich Amir schon fast im Mediencenter als vermisst gemeldet hat, da ich die ganze Zeit im German Office war.

Nun noch schnell etwas zu meiner Bandgeschichte. Es sieht mit der Zeit immer besser aus. So langsam werden wir komplett und auch ein erster Auftritt steht vor der Tür, was ganz lustig ist, denn wir haben noch kein einziges mal richtig mit der ganzen Mannschaft geprobt und schon haben wir einen Auftritt. Ich bin mal gespannt ob wir das alles hinbekommen. Aber mit Biegen und brechen geht das schon. Aber immerhin besser als wenn nix los ist und man keinen Kontakt zu den Leuten hier hat, auch wenn es dann mal ein bisschen stressig wird. Na ja, ich werde euch auf den Laufenden halten.

Das wäre es erst einmal von mir. Der Robert hat ja schon eine ganz Menge geschrieben und ich will euch nicht weiter langweilen ;-) Ansonsten kann ich noch erwähnen, was so in den nächsten Wochen ansteht. Zum einen kommen noch ein paar Feiertag auf uns zu, wie Yom Kippur und Sukkot (Laubhüttenfest). Am 28.9. wollten wir an das Tote Meer zum Mondscheinbaden, aber vielleicht kann ich da nicht mit. Mal sehen ob ich frei machen kann. Im Oktober kommen dann endlich wieder deutsche Gruppen. Zur Zeit ist wieder mal wenig los, außer den paar Briten. Und ich freue mich auch schon sehr auf den Besuch des Bläsersensembles.

Also so weit so gut. Bis zum nächsten Tagebucheintrag. Euer Bernhard!

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