7.-11.Tag: 15-18 Juli 2004
Da sich in den letzten Tagen nicht mehr viel geändert hat und alles sich immer
mehr dem Alltäglichen annähert, habe ich beschlossen mehrere Tage zusammen zu
fassen, um euch somit nicht der Langeweile in den Berichten auszusetzen. Bis zum
Donnerstag, also unserem letzten Arbeitstag der Woche hat sich im Tagesablauf
des wolligen Genossen nicht mehr viel geändert. Man kann langsam davon reden,
dass sich alles langsam aber sicher automatisiert. Dass heißt, morgen gegen 7
Uhr aufstehen, dann zur Einsatzstelle, erst Küchenarbeit, dann der alltägliche
Gang zur Post, ein kleines, aber immer amüsantes und interessantes Schwätzchen
mit Idan, dem Security-Guard der Post führen, um anschließend dass Mittagessen
für die Reisegruppen vorzubereiten. Gegen 2 Uhr ist mein Arbeitstag eigentlich
schon beendet, da Silvi, meine Chefin im German Office, sich noch im erholsamen
Urlaub befindet und ich somit nichts mehr zu tun habe. Am Donnerstag Abend
beschließen wir mit dem Bus in die „Deutsch Kolonie“ zu fahren, wo ich an den
Häuserresten noch viele Aufschriften der ersten deutschen Einwanderer bestaunen
lassen, welche ein wenig Wehmut an die alte Heimat in einem hervorrufen. Wir
lassen uns in der „Havanna-Bar“ nieder, wo wir uns mit ein paar Macabee-Bierchen
den Abend versüßen und auf Ramon treffen, einem Juden der vor 4 Jahren mal in
Aachen lebten und damit der deutschen Sprache fähig ist und sich freut auf alte
Kameraden wie uns zu treffen. Wir führen ein lang anhaltendes Gespräch und sind
hocherfreut als er uns noch eine Salatplatte spendiert. Doch dass ist ja
eigentlich nicht so prickelnd, viel interessanter ist doch der Fakt, dass wir
noch die Bekanntschaft mit zwei reizenden israelischen Mädchen machen, welche
Jonas kennt, da sie manchmal im Mediencenter unserer Einrichtung auftauchen, und
dort den Umgang mit Computern beigebracht bekommen. Eine davon heißt Chen, was
so viel wie „Schönheit“ bedeutet und in ihrem Fall auch vollkommen zutrifft. Um
ehrlich zu sein, mich hatte es ganz schön erwischt. Wir führten ein sehr
unterhaltsames Gespräch, was mir noch lange in Erinnerung bleiben wird und ich
freue mich riesig darauf, sie irgend wann einmal wieder zu Gesicht zu bekommen.
Wie gesagt, sie hat’s mir ganz schön angetan. Wir beschließen den Heimweg zu Fuß
zurückzulegen, was nicht ganz ungefährlich ist, da wir mindestens 100- 200 Meter
Höhenunterschied, und ein Wirrwarr von sich schlängelnden Straßen dazwischen
liegen und wir uns obendrein noch kräftig verlaufen haben. Aber irgend wie sind
wir dann doch noch zu Hause angekommen und fallen total erschöpft in unsere
Betten. Die beiden darauf folgenden Tage verbringen wir am Strand. Ich kann euch
sagen, „Baywatch“ ist nichts dagegen. Ein einziges Schaulaufen ist das und man
weiß gar nicht, wo man zu erst hinschauen soll. Ich muss schon ehrlich sagen,
dass die israelische Frauenwelt was ganz ganz geiles, tschuldigung, reizvolles
an sich hat. Wo man nur hinschaut, überall rekeln sich hübsche weibliche
Grazien, die sich wie mit panterartiger geschmeidiger Agilität fortbewegen und
jeglichen männlichen Verstand zu Grabe tragen, da dieser sich von der Schönheit
blenden lässt, ja einfach nicht im Stande ist, seine Gefühlsregungen zu
kontrollieren, aber ich finde man kann es auch übertreiben und deswegen lasse
ich’s hier fürs erste mal mit meinen Emotionen gegenüber dem weiblichen
Geschlecht sein, um euch nicht gänzlich zu verunsichern. Was man unbedingt mal
erlebt habe sollte ist der Sonneuntergang. Am besten man genießt man ihn mit der
Musik von Jack Johnson, so wie ich es getan habe, damit man sich der absoluten
Schönheit dieses Moments vollends bewusst wird. Am Abend des Freitags, feiern
wir noch in den Geburtstags eines Bandmitglieds von Jonas’ seiner Band. Der
Sonntagabend gestaltet sich ein wenig ruhiger, Berni und ich gehen gemeinsam die
Louis Promenade entlang, erfüllt vom bekömmlichen Geschmack des Maccabi-Bieres
und genießen die einzigartige Sicht über dem Bahai-Garten bis runter zur „Ben
Gurion Avenue“, die Prachtmeile der Deutschen Kolonie. Am Sonntag müssen wir
wieder arbeiten, diesmal ohne Johannes, da dieser am Dienstag das Land verlässt
und sich die letzten Tage frei nimmt. Ich bin also das erste Mal auf mich
alleine gestellt, aber ich komme ohne Probleme mit der für mich neuen Situation
zu Recht. Es soll ein anstrengender Arbeitstag werden, da wir neue Jugendliche
aus Amerika bekommen und für diese auch noch Essen machen müssen. Alles läuft
wie geschmiert und so bin ich gegen halb 3 Uhr mit der Küchenarbeit fertig und
begrüße erst mal Silvi, die wieder aus ihrem Urlaub gekommen ist. Ich werde nun
erstmals mit den Aufgaben des German Office vertraut gemacht, dass heißt E-mails
für Silvi vom Englischen ins Deutsche und umgekehrt zu übersetzen,
Bahai-Anfragen, Bahais sind Angehörige der Bahai-Religion, welche nach Haifa
pilgern, da sich hier die Bahai-Gärten und der Schrein, also ihr Wahrzeichen,
befindet, per E-Mail zu beantworten, gegebenen Falls Buchungen in unserer Molada
zu bestätigen oder ihnen einfach nur Informationen über unsere Unterkünfte zu
zuschicken. Der Arbeitsbereich gestaltet sich also vielschichtig und nicht ganz
einfach, da man seinen eigenen Arbeitsplatz zu organisieren hat und für alles
selbst verantwortlich ist, also Tabellen, Buchungslisten,etc. , da sich dies
alles auf dem Computer befindet und Silvi wirklich überhaupt keinen blassen
Schimmer besitzt und überhaupt nichts mit dem Computer anfangen kann. Es ist
also eine willkommene Abwechslung zur Küchenarbeit, welche keinesfalls
langweilig ist, jedoch auch nicht die höchsten Leitungen des menschlichen
Gehirnkastens abruft. Am Abend organisieren wir noch ein Barbecue für die
Jugendlichen aus Boston.
Eine echt lustige Veranstaltung, wo wir viele
nette Menschen näher kennen lernen, den wir vorher lediglich das Mittagsessen
vor die Nase stellten. Es ist auch lustig mit anzusehen wie die Amis zur Musik
tanzen. Dieses Phänomen lässt sich aber auch andersherum feststellen, da diese
sich bei unseren typisch „Teutschen“ Tanzbewegungen auch nicht mehr einkriegen.
Alles in allem war dieser „Abendeinsatz“, welcher uns als Überstunden
angerechnet wird, eine echt coole Sache, da wir voll viel Spaß mit den Amis
hatten.
So, dass war's dann erstmal von mir, bis die Tage. Euer Rob, alias der Wollkopp.
Und jetzt gibt der Webmaster noch mal seinen Senf dazu. Immerhin sieht mein Arbeitsalltag etwas anders aus, als Roberts. Im Großen und ganzen hat Robert die Dinge schon erwähnt, die so in den letzten Tagen passiert sind. Was der Rob aber vergessen hat, war der Besuch des Stadtviertels Hadar am Freitag, wo man einmal mehr in das Leben und Treiben der Einheimischen, vor allem auch der Araber, eintauchen konnte. Riesige Märkte, wo man eigentlich alles bekommt. Über Obst, sonstigen südländischen Früchten, haufenweise Süßwaren und überhaupt eigentlich alles, was das Herz begehrt. Dabei geht es zwar nicht unbedingt Hygienisch zu aber es ist billig und schmecken tut es auch. Dazu kommt noch die Hektik der Händler und man sollte auch nicht erschrecken, wenn rechts von einem gerade ein Verkäufer anfängt, seine Waren lautstark feil zu bieten. Wenn man sich dann wieder sich herauskämpft in Richtung der Straße und vielleicht nach etwas Erholung sinnt, dann muss man sich enttäuscht eingestehen, dass man es auf der Straße auch nicht findet. Also nicht mit gemütlich entlangschlendern in diesem Viertel. Dies erst einmal dazu. Laut Jonas ist dieser Zustand normal, wenn weiter östlich reist, zum Beispiel nach Jordanien. Mal sehen wo es uns noch hin verschlägt.
Dann ging es wie erwähnt zum Strand und da muss ich eigentlich nicht mehr viel hinzufügen. Robert hat sich da schon deutlich darüber ausgelassen und man kann ihn nur zustimmen. Ich würde sagen, die Mischung machts. Hier sind so viele verschiedene Nationalitäten vereint, da kann nur das Beste heraus kommen. Außer dem übervollen Strand, wo jeder nur eine Hand breit voneinander weg liegt, muss man noch den israelischen Volkssport des Sommers erwähnen. Neben dem Meeresrauschen kann man jeder Zeit ein kontinuierliches "Klick, klack, klick", fast einer Uhr gleich wahrnehmen. Es ist das hin- und herschlagen eines kleine Balles zwischen zwei Schlägern. Das kann manchmal ziemlich nerven, aber vielleicht ist es eine Lösung einfach mitzumachen. Mal schaun. Am Sonnabend sind wir dann wieder zum Strand, was einen kräftigen Sonnenbrand bei mir zur Folge hatte, der jetzt immer noch heftig bemerkbar ist.
Und nun ist auch schon wieder Sonntag, unser erster Arbeitstag in der zweiten Woche. Robert hat da schon das wesentlich erwähnt. Vielleicht noch kurz, was ich so getrieben hab: Früh halt nach dem Frühstück in der Küche mit anpacken, was aber nicht mit der Arbeit von Robert zu vergleich ist, der ja bis 12 Uhr in der Küche steht. Wobei ich auch zugeben muss, dass Robert mehr zu tun hat. (armer Kerl) Sonst war noch etwas rumfilmen angesagt. So ein fettes Micro an eine Stange halten. Nebenbei ein bisschen chillen, aber wie gesagt, gehts erst richtig los wenn die Schule wieder anfängt. Tja und dann war abends noch das Barbecue, wo man in näheren Kontakt mit den Gästen kam. Soweit erts mal, der Robert nervt jetzt übelst, weil der pennen will. Der muss nämlich morgen früh ne Stunde eher aufstehen, der arme Kerl ist so bemitleidenswert, *heul.
Na dann gute Nacht. Shalom Shalom. Euer Bernhard
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