78. - 117. Tag: 21.September - 30.Oktober - Update siehe Unten!
Wir schreiben Oktober den Dreißigsten und haben
wieder jede Menge neuer Erfahrungen und Eindrücke im gelobten Land sammeln
dürfen, welche wir euch natürlich auf gar keinem Fall vorenthalten wollen.
Wie bereits im letzten Tagebucheintrag angekündigt, stand wieder einmal ein
Besuch beim Friseur an, um der inzwischen auf eine beträchtliche Länge von 20
Zentimetern angewachsenen langen Lockenpracht den Gar auszumachen. Resultat des
einstündigen Sondereinsatzkommandos in Form einer Israelin, welche so ein
haariges Desaster noch nie zu Gesicht bekam:
Eine wohltuende Kopfmassage, Reduzierung des Haupthaar um rund 15 Zentimeter und
finanzielle Einbußen von 50 Schekel, welche bei dieser „Drecksarbeit“ aber
durchaus als angemessen zu bewerten sind. Jetzt saß mir auch wieder meine graue
Schiebermütze wie angegossen und so entließ man mich mit neuem Lebensgefühl
wieder in den israelischen Alltag.
Es folgten vier sehr erholsame und eindrucksvolle Tage in Jerusalem, vom
28.September bis 1.Oktober.
So verließen wir also unser trautes Heim gegen
Mittag, und zogen mit voll gepackten Reiserucksack in die traute israelische
Weltgeschichte. Schnell ein Ticket an der Busstation gekauft und nichts wie ab
mit dem Überlandbus entlang der Mittelmeerküste über Tel-Aviv nach Jerusalem.
Nach zweistündiger Fahrt da auch angekommen, nahm uns Mathias, ein deutscher
Volontär, welchen wir beim Ausreiseseminar in Hamburg kennen gelernt hatten, an
der hiesigen Busstation in Empfang und geleitete uns zu seiner Wohnung, welche
sich in der sehr zentral gelegenen Rambam Street befindet. Auf dem Weg dorthin
kamen wir an einem riesigen Park vorbei, in welchem man die „Knesset“, den Sitz
des israelischen Parlaments, finden kann. In der Wohnung angekommen, erholten
wir uns erst einmal von den Reisestrapazen und bezogen anschließend Quartier.
Doch viel Zeit blieb uns nicht, denn gegen halb fünf sollten wir uns bereits am
Damaskustor einfinden, da dort unsere Bus zum Toten Meer auf uns wartete. Dieser
Ausflug wurde vom Pfarrvikar der Erlöserkirche in Jerusalem, Phillip Kampe,
organisiert und insgesamt betrug unsere Gruppe mehr als 50 deutsche Volontäre,
von denen wir die Hälfte schon von dem Volontärsseminar kannten.
Wir verließen gegen 17 Uhr Jerusalem und fuhren eine gute Stunde durch das,
meist aus Wüste bestehende, Westjordanland nach Ein Gedi, einem kleinen Kibbutz,
direkt am Toten Meer gelegen. Inzwischen war bereits der Tag der Dunkelheit der
Nacht gewichen und dem Mondscheinbaden stand nichts mehr im Wege. Das Wasser
betrug mindestens 30 Grad und es war schon ein sehr merkwürdiges Gefühl, in
dieser salzigen Brühe zu schwimmen. Na ja, vom schwimmen kann eigentlich gar
keine Rede sein, es ist eigentlich mehr ein sich Treiben lassen, immer dem
Schein des Vollmonds, welcher sich auf der Wasseroberfläche spiegelte, entgegen.
Es war schon ein ganz besonderes Gefühl am tiefgelengendsten Punkt der Erde (ca.
400m unter dem Meeresspiegel) in der salzigen Lauge ( 35 % Salzgehalt) zu
plantschen. Und wie sollte es anders sein, der Prinzler hat's natürlich auch
einmal wieder auf die Reihe bekommen, sich eine ordentliche Portion Salzwasser
in die Augen zu befördern. Das ist natürlich äußerst dumm, aber noch
bescheuerter ist es, wenn man aus natürlichen Reflex mit dem Finger im Auge
herumfuchtelt und vorher vergessen hat, dass sie die Finger natürlich auch im
Wasser befunden haben und man dadurch das schweinedolle Brennen nur noch
verstärkt, so wie es der Prinzler in seiner Blödheit in Erstklassiker Ausführung
betrieben hat.
Wir verweilten eine halbe Stunde im treibenden Zustand, um danach mit einem
leckeren Picknick den Abend ausklingen zu lassen. Dabei wurden viele Ereignisse
und Erfahrungen einander ausgetauscht. Gegen 22.00 Uhr ging es dann völlig
geschafft gen Jerusalem, welches wir einen Stunde später erreichten und wo wir
völlig übermüdet in unsere Betten fielen. Nach einem erholsamen Schlaf und einem
deftigen Frühstück, was aus Pitta, Humus und Sarta bestand, trafen auch noch ein
paar andere deutsche Volos aus Afula in der Wohnung auf der Rambam Street ein.
Zu fünft zogen wir los zum „Zions-square“, wo wir Robert Hanschke (Spitzname:
„Hanni unser Jugendmeister“), der andere Volontär aus der Wohnung, trafen, um
mit ihm die Jerusalemer Altstadt unsicher zu machen. Die „Old City“ ist von
einer riesigen Mauer umgeben, und nur über Tore zu betreten. Wir gelangten durch
das Jaffa-Tor in das Gewirr von Gassen der Altstadt und wurde sofort Zeuge des
belebten Treibens. Die Altstadt ist in vier Viertel aufgeteilt. Dem arabischen,
dem christlichen, dem jüdischen und dem armenischen Viertel. Wir erkundeten erst
einmal den riesengroßen Basar, wo einem Händler jeden möglichen Schrabbel und
eine Vielzahl von Staubfängern anbieten, die man sich nur vorstellen kann. Die
Atmosphäre ist schon etwas einzigartiges. Alles sehr eng uns verwinkelt, überall
liegt der Geruch von frischen Kräuter, Ölen und Tabaksorten in der Luft, die
Händler schreien nach Kundschaft und preisen ihre Waren in die Höhe, manche
sitzen da uns klittschen Karten oder spielen mit einem leidenschaftlichen
Gezeter, was für die durchweg arabischen Händler typisch ist, Backgammon. Nach
einer halben Stunde gelangten wir durch das Gassenwirrwar zur sog. „Western
Wall“ bzw. „Wailing Wall“, der Klagemauer. Bevor man sich diese aus nächster
Nähe anschauen kann, muss man sich erst eine „Kipa“, eine kleine Kopfbedeckung,
welche von den religiösen Juden getragen wird, aufsetzen, um dadurch Respekt vor
Gott zu zeigen. Typisch für die Klagemauer sind die vielen handbeschrieben
Zettelchen, welche in den Mauerritzen stecken. Anschließend folgt das Waschen
der Hände, was die Reinwaschung der Seele symbolisieren soll. Wir setzten unsere
kleine Erkundungstour mit dem Besuch der Grabeskirche fort, wo eine der beiden
existierenden angeblichen Grabstellen Jesu zu finden ist. Die Kirche ist
riesengroß und sehr dunkel und mystisch gehalten. Man hört von entfernten Räumen
den Gesang von Chören und manchmal wird der Raum mit dem Duft von brennendem
Weihrauch geschwängert, was einem, wenn man sich für einen längeren Zweitraum in
diesem Geruch aufhält, auch ordentlich einlullt und in einem berauschenden
Zustand versetzt.
Nach all diese Eindrücken bekamen wir natürlich schwere Beine und einen leeren
Magen und da gibt es nichts besseres in Israel als einen Schewarma-Stand.
Schewarma ist eine Pita, welche mit Gemüse und Fleisch gefüllt wird und ähnlich
wie ein Döner mundet und da wir als Vertreter der Dönergeneration davon nicht
genug kriegen können, kauft man sich natürlich gleich zwei von diesen leckeren
Dingern.
Wieder in den heimlichen Gefilden der Rambam-Street angekommen, beschlossen wir
den Verlauf des weiteren Abends.
Letztendlich entschieden wir uns, und wie sollte es anders sein, für eine
ordentlich Jerusalemer Kneipentour mit unseren beiden Freunden und deren
tschechischen Mitbewohner Stephan. Um die deutsch-tschechische Verbrüderung
gebührend zu frönen, braucht man zweifelsohne jede Menge Alkohol und natürlich
eine wohlbekömmliche Shischa, zu deutsch Wasserpfeife. Fazit des Abends: Besuch
von 4 Kneipen, 100 Schekel Investition in israelisches Bräu, jede Menge guter
Stimmung, wohlbekömmlicher Rauchgenuss und eine deutsch-tschechische
Bruderschaft, die allein aus der Relation der vertilgten Menge von alkoholischen
Flüssigkeiten für die nächsten 100 Jahre mit unumstößlicher Sicherheit Bestand
haben wird.
Den nächsten Tag gestalteten wir eher etwas ruhig. Bernhard und Ich gingen
nochmals in die Altstadt, wo ich mir vor Ort auch den Luxus erlaubt habe, mir
ein paar neue Schuhe zu kaufen, da meine alten sich langsam aber sicher in ihre
Bestandteile auflösen. Auch hatten wir das Glück gehabt, auf den Turm der
Erlöserkirche zu gelangen und da wir Volontäre sind, kostete uns dass sogar
keinen einzigen Schekel. Die Erlöserkirche ist das höchste Gebäude der Altstadt,
und dem zu Folge hat man vom Turm eine unglaubliche Aussicht über die
umliegenden Sehenswürdigkeiten, wie dem Tempelberg mit der Klagemauer und der
Al-Aksa Moschee, sowie der Grabeskirche.
Am Abend zeigte uns Mathias noch den Wohnsitz vom amtierenden israelischen
Ministerpräsidenten Ariel Scharon, welcher lediglich 10 Minuten von der Wohnung
entfernt ist und eher einem Hochsicherheitstrakt mit Wachturm, als dem Wohnsitz
der mächtigsten Person des Landes gleicht.
Am nächsten Tag sollte unser Aufenthalt in der Hauptstadt Israel zu Ende gehen
und wir verließen Jerusalem gegen 14.00 Uhr mit Bus in Richtung Haifa, welches
uns mit einem atemberaubenden
Sonnenuntergang am Horizont des Meeres wieder willkommen heißen sollte. Die
Briten, mit denen uns inzwischen Freundschaft verband, freuten sich auch, dass
wir wieder da waren und der Alltag hielt wieder Einzug in unser beschauliches
israelisches Leben. Dieser wurde jedoch mit dem anstehenden Filmfestival
versüßt, welches in der darauf folgenden Woche in Haifa stattfand. Wir
verbrachten viele Abende im GanHaem Park, gleich bei uns um die Ecke, wo wir in
den Genuss von 5 Filmen kamen, welche kostenlos angeboten wurden. Am letzten Tag
des Festivals, am Donnerstag, den 7.Oktober, wurde Israel wieder Opfer von
schweren terroristischen Anschlägen im Sinai. Den Großteil der zu beklagenden
Opfer stellten dabei israelische Touristen, die in den Touristenzentrum wie Taba,
die Sukkot-Feiertage friedlich begehen wollten. Am Freitag rief uns sofort Nava
an, um zu fragen ob es uns gut ginge und ob unsere Familien bescheid wüssten,
dass uns nichts passiert sei. Von einer Freundin erfuhren wir über die Ausmaße
der Anschläge, da ihre Tante in einem Krankenhaus von Taba arbeitete und die
vielen Verwundeten bzw. Toten zu Gesicht bekam. Es ist schon sehr traurig zu
wissen, wie viele Israelis durch solche Anschläge Familienangehörige zu beklagen
haben und umso mehr erstaunlich, dass man ohne weiteres den Alltag fortsetzt und
man diesen Ereignisse nach einer Woche nur noch wenig Beachtung schenkt, da man
sich gezwungener Maßen an solche Situationen gewöhnt hat. Des Weiteren ist es
auch beängstigend zu wissen, dass, wenn israelisches Truppen gegen militärische
Stellungen im Gazastreifen vorgehen, die internationalen Medien diese
Vorgehensweise so einseitig beurteilen und ihnen nur mit Kritik entgegentreten,
jedoch kein Wort darüber verlieren, wie viele Raketen aus eben diesem besagten
Gazastreifen von militanten Palästinensern tagtäglich auf jüdische Siedlungen,
nahe des Gazastreifen abgeschossen werden und mitunter Juden verletzen, ihnen
ihre Häuser zerstören oder gar Menschenleben zu beklagen sind.
Wie schon erwähnt, vertiefte sich unsere Freundschaft mit den Briten zusehends
und wir verbrachten viele lustige und Alkoholgetränkte Abende mit ihnen und
erkundeten jedes Wochenende die jeweiligen Lokalitäten, welche Haifa zu bieten
hat und wo man ordentlich das Tanzbein schwingen kann. Besonders lustig war die
Feststellung, wie wenig unser Amerikaner Leigh mit dem Umgang von alkoholischen
Getränken geschult war, sodass wir ihn manchmal im stützenden Zustand aus den
Clubs ziehen mussten, da er mal wieder zu tief ins Glas geschaut hatte.
Nach nun fast 4 Monaten, können wir stolz behaupten, bereits einen großen
Freundeskreis aufgebaut zu haben. Schade nur, dass dieser in der kommenden Woche
komplett auseinander fallen wird. Nachdem uns unsere Freunde Ori und Janif,
bereits vor 2 Wochen in Richtung Deutschland beziehungsweise Indien verlassen
haben, werden unsere britischen, französischen und amerikanischen Freunde, Haifa
am morgigen Tag verlassen, da sie ihre Zelte nun in einem Kibbutz ganz im
südlichen Negev, nahe dem Roten Meer, aufschlagen werden. Als ob dass noch nicht
genug wäre, wird auch Jossi, unser israelischer Mitbewohner, am kommenden
Donnerstag mit dem Flieger nach Berlin fliegen, um dort mit seiner deutschen
Freundin für das nächste Jahr zu leben. Na, wenigstens werde ich ihn am
Donnerstag Abend mit zum Flughafen von Tel-Aviv begleiten, da ich da unsere neue
Reisegruppe, bestehend aus fünf deutschen Journalisten, abholen darf und mit dem
Taxi nach Haifa befördern soll.
Dafür hatten wir aber in den letzten Wochen genügend Gründe gefunden, ordentlich
die Sau raus zulassen und mächtig Party zu machen. Zum Beispiel zum Sukkot-Fest,
wo es Brauch ist, dass man unter einer selbstgebauten „Sukka“, einer Hütte aus
Palmenblättern, feiert. Auch waren wir einmal in einer Disco in einem Kibbutz,
ca. eine halbe Stunde Autofahrt von Haifa entfernt. Man merkt sofort dass man
sich in einem Kibbutz befindet, denn sofort nachdem man den Kontrollposten
passiert hat, wird man von einem muffeligen Rindergestank in Empfang genommen,
was bei mir, da ich nun mal aus Strehla komme, ein wenig Heimatgefühle
hervorgerufen hatte. Die Disko ähnelt dem zu Folge auch mehr einer
Dorfkaschemme, wo aber gute Stimmung und reichlich billiges Bier zu Hause ist.
Und damit wären doch die Grundvoraussetzungen für einen amüsanten Abend durchaus
zufrieden gestellt.
Es ist also ein Kommen und Gehen. Man lernt viele Leute kennen und muss sich
aber auch von einigen Schmerzlicherweise verabschieden. Ich treffe mich
inzwischen, neben meinen Besuchen bei Frau Zucker, auch einmal wöchentlich mit
einem Israeli, welcher vor 9 Jahren von Russland nach Israel kam. Er heißt
Aleksej und möchte nächstes Jahr in die Schweiz, um dort zu studieren. Sein
Deutsch ist schon recht passabel, da er sich bereits mit meinem Vorgänger Jakob
einmal pro Woche getroffen hatte. Wie ich ihm aber den Schweizer Dialekt
beibringen soll, oh man, da hab ich doch keine Ahnung von, na mal schauen, „diss
wirchd kschon gschif gahn“. Frau Zucker geht es inzwischen immer besser und ich
habe inzwischen schon mit Agenten in Deutschland telefonieren dürfen und mich,
da Frau Zucker darauf besteht, als ihren Sekretär vorgestellt und ihnen ihr
Manuskript zu ihrem neuen Buch, welches sie mit Jonas geschrieben hat, zukommen
lassen. Mal schauen, vielleicht wird das ja auch so erfolgreich wie ihre
bisherigen Bücher. Momentan schreiben wir noch nicht an neuen Kurzgeschichten,
sondern müssen erstmal bürokratisches Zeugs erledigen, was sie aufgrund ihres
Schlaganfalls, nicht machen konnte und sich immer mehr anstaute. Doch es ist
schon spannend genug mit ihr erstmal ein Stück Kuchen zu essen, Tee zu trinken
und ihr dabei bei ihren tollen Geschichten zuzuhören.
Übrigens leben Bernhard und Ich seid dem 08.Oktober illegal in Israel, da unser
dreimonatiges Visum abgelaufen ist, wir aber bei dem Stress im deutschen Büro
nicht die Zeit gefunden haben, den Schreibkram, welchen Silvi noch ausfüllen
muss, an die jeweiligen Einrichtungen zu schicken.
Außerdem ereignete sich am Freitag, also gestern, ein Novum.
Es hatte zum ersten Mal geregnet. Aber wie!!!
Richtiger Regenguss, es hat geschüttet wie aus Eimern. Ich bin dauern
aufgewacht, da mein Bett direkt am Fenster steht. Und irgend wann, ich lag
gerade im Halbschlaf, ist höchstens 500m von unserer Wohnung entfernt, ein Blitz
eingeschlagen, aber mit so einem sch.... lautem Donner hintendran, das es mich
prompt aus meinem Halbschlaf auf die nackten Tatsachen meines gefliesten
Zimmerbodens befördert hat.
Vielleicht noch ein politischer Kommentar.
Letzte Woche beschloss die „Knesset“ ein Gesetz, was die Niederlegung der
gesamten jüdischen Siedlungen im Gazastreifen und vier Siedlungen im
Westjordanland beinhaltet. Dies war ein erster und äußerst wichtiger Schritt zur
Wiederaufnahme der Friedensgespräche zwischen Palästinensern und Israelis.
Besonders beeindruckend war dabei, dass Scharon mit aller Macht diese Gesetz
durchsetzte und sogar Abgeordnete seiner eigenen Partei und
Regierungsmitglieder, welche gegen ihn stimmten, mit sofortiger Wirkung
beurlaubte. Das kontroverse daran ist, dass Scharon die Siedler vor Jahren
selber aufforderte, die Siedlungen zu bauen und zu erweitern. Vielleicht kann
man das als Zeichen sehen, das man dem Ziel eines eigenen Palästinenserstaates
ein wenig näher rückt. Doch die Zukunft wird noch viele neue Ereignisse und
Bewegungen in diesen Konflikt bringen und es wird auch weiterhin viele Anschläge
geben, die die Verhandlungen aufhalten sollen und letztendlich das Leid der
Zivilbevölkerung nur noch weiter vergrößern werden. Aber vielleicht öffnen sich
mit diesem Abzugsplan auch einige Palästinenseraugen, die feststellen werden,
dass der Staat Israel, keinen Dämonen darstellt, wie es der palästinensischen
Bevölkerung seit Jahrzehnten durch militante Gruppen wie der Hamas
eingetrichtert wird, welche letztendlich die heranwachsende Generation mit Hass
gegenüber dem jüdischen Volk Israel vergiftet. So, dass wäre es für den Moment,
dass nächste mal schreib ich euch von dem Besuch des Bläserensembles Riesa in
Haifa und hoffentlich von vielen anderen lustigen und spannenden
Bekanntschaften, Ereignissen, dem hoffentlich geglückten Gang zum
Innenministerium einschließlich der Verlängerung unseres Visums und vielleicht
auch von einer amüsanten Segelgeschichte, denn heute erzählte uns Barry, der
Bruder Sean Connery’s und ewiger Gentleman, dass sein Freund ein Segelboot
besitzt und wenn wir Lust hätten die Segel zu setzen und in See zu stechen,
bräuchten wir uns nur zu Wort melden und auf geht's gen Horizont immer der Sonne
entgegen. Wenn wir aber Pech haben, schreiben wir euch aus einer Gefängniszelle
ein paar Liebgemeinte Zeilen auf gelblichen Butterbrotpapier und essen Brot und
trinken abgestandenes Leitungswasser, denn dann haben wir keine
Visumsverlängerung bekommen und wurde aufgrund unser ins uns wohnenden
kriminellen Energie inhaftiert und ins Verließ von Akko gebracht und
eingesperrt.
In diesem Sinne.
Jom tov, Lehitraot.
Der euch schreibende Robert
Und wie immer gebe ich (Bernhard) noch meinen Senf dazu!
Das meiste wurde ja schon durch Robert erwähnt. Auf Arbeit gibt es keine großen Veränderungen, außer dass es einmal Stress gab, obwohl bis heute noch nicht ganz genau weiß, wie und warum. Aber das ist so eine Sache bei den Israelis. Worauf ich mich schon freue, wird das neue Studio sein, was im Media Center von Orange gesponsert neu eingerichtet wird. Deswegen ist Amir auch die ganze Zeit am telefonieren und macht manchmal ein genervten Eindruck. Was ich noch zum Thema Arbeit erwähnen kann, ist, dass ich seit einigen Wochen an einem Logo für das Rutenberg Media Center arbeite und am Ende der gute Chef David Rutenberg nie wirklich einverstanden ist. Mal sehen wie lange das noch geht. Sonst läuft es ganz gut auf Arbeit und nächste Woche wird es noch ein bisschen ruhiger, da die Briten, mit denen wir sehr viel Spaß hatten, weiterziehen. In einer Woche kommt dann noch eine kleine deutsche Journalistengruppe, die ein paar Tage in Haifa verweilen wird. Und dann kommt auch schon in zwei Wochen das Bläserensemble Riesa.
Neben den Jerusalem- Besuch, dem Mondscheinbaden und anderen Erlebnissen, hatten wir Besuch von anderen Volontären, unter anderem von unseren Freunden aus Jerusalem, Robert und Mathias. Mathias war mit seinen Eltern unterwegs und machte bei uns Station, da man von uns aus gut den Norden Israels erkunden kann. Robert kam aus reine Laune uns besuchen. Wir präsentierten wie fast allen Besuchern die günstige Lage zum Meer und andere schöne Seiten Haifas. Weiterhin sind nun die anderen deutschen Volontäre von ASF einen Monat in Haifa und da gibt es immer einiges zu unternehmen.
Zur Band gibt es nicht weiter viel zu sagen, außer das es ziemlich langsam voran geht. Im Vordergrund steht jetzt der Besuch des Bläserensembles und da gibt es noch einiges zu organisieren.
Update: Am kommenden Dienstag werde ich auch eine ältere deutsche Frau besuchen gehen. Einer unserer Vorgängervolontäre vom Rutenberg Institut hatte dies auch schon getan. Vorab wurde mir erstmal gesagt, dass ich bei ihren Computerarbeiten helfen soll. Aber mich interessiert natürlich auch, was die Frau so zu erzählen hat. Da bin ich schon gespannt drauf.
Dann doch noch einmal kurz etwas zur Arbeit. Heute war ich mit Nitsan, einer Lehrerin am Media Center, in einer privaten israelischen Grundschule. Dort gibt sie Unterricht im Umgang mit Kameras. Ich durfte dann den Kindern beim gegenseitigen Interviewen assistieren, was unter anderem ganz lustig war, obwohl ich eigentlich nichts verstanden habe. Aber es war krass zu sehen, wie man als Lehrer am Anfang der Stunde eine viertel Stunde kämpfen muss, um die Kinder zur Ruhe zu bringen. Andererseits zeigte sich mir sehr deutlich in was für einer doch verschärften Situation die Israelis leben. In der Klasse war ein Kind, was damals im Maxim Restaurant saß, das 2003 von einem Anschlag zerstört wurde. Der Junge verlor dadurch sein Augenlicht. Dies zeigt irgendwo doch, dass man hier einer ganz anderen Lebenssituation gegenübersteht, auch wenn es nicht wirklich auffällt, wenn man durch die Straßen Haifas geht. An die Soldaten gewöhnt man sich nämlich ziemlich schnell.
In ein paar Wochen gibt es dann wieder was Neues, wenn wir nicht von der Polizei wegen illegalen Aufenthaltes eingekerkert wurden. Aber die Gefahr können wir morgen abwenden, denn das Visum kommt hoffentlich.
Dann bis zum nächsten Geschrieben, der Bernhard ;-)
PS: Ich war nun auch beim Haarschneider und bin eine Menge Gewicht los geworden. Wollte schon meine Haare spenden aber habe es dann doch nicht. Zumindest sind se jetzt pflegeleichter und die können wieder ein paar Monate wachsen, mal sehen ob es wieder ein Zopp wird...